„Auch kommerziell schwer vermarktbare Musik-Stilistiken würdigen“

Am 8. Dezember treffen sich Hunderte Nachwuchsmusiker zum 30. Deutschen Rock & Pop-Preis in Wiesbaden. Welche Ziele verfolgt der Wettbewerb und wie profitieren die Musiker von einer Auszeichnung? Der Musikmarkt sprach mit Ole Seelenmeyer, Vorstand im Deutschen Rock- und Pop Musikerverband e.V. (DRMV), der das Künstlerfestival gemeinsam mit der Deutschen Popstiftung seit 30 Jahren organisiert und austrägt.

Dieses Interview erschien am 6. Dezember im Branchenmagazin Musikmarkt.

Foto: Ole Seelenmeyer/DRMV e.V.

Foto: Ole Seelenmeyer/DRMV e.V.

Was war Anfang der achtziger Jahre die Motivation, den Wettbewerb ins Leben zu rufen?

Ole Seelenmeyer: Als ich 1983 den ersten „Deutschen Rock & Pop Preis“ in der Lüneburger Nordlandhalle unter dem Titel „Bundesrockfestival“ veranstaltete, gab es keine anderen bundesweiten Wettbewerbe im Bereich der Rock- und Popmusik. Damals war es mein Wunsch, den zahllosen Musikgruppen und Interpreten aus dem Bereich der Rock- und Popmusik eine öffentlichkeitswirksame kulturelle Plattform zu bieten, auf der sie sich musikalisch vorstellen konnten.

Mittlerweile werden Preise in 116 Kategorien verliehen. Wie kam es zu dieser Bandbreite?

Ole Seelenmeyer: Ab 1999 haben wir zahlreiche stilistische Bereiche und Kategorien in die Preisverleihungen mit einbezogen. Vorher waren es weitaus weniger. Wir haben uns bei der Konzipierung dieses Nachwuchsfestivals und der verschiedenen Preise ein Beispiel an der Grammy-Verleihung genommen, weil wir der Auffassung sind, dass man nicht nur einzelne Musikgruppen oder Interpreten auszeichnen sollte, sondern auch die dahinter stehenden kreativen Producer, Komponisten, Texter, Einzelinstrumentalisten und viele mehr. Zum anderen gibt es zahllose musikstilistische Bereiche, für die sich die Tonträgerindustrie heute nicht mehr interessiert. Wir halten es für erforderlich, dass auch kommerziell schwer vermarktbare Musik-Stilistiken wie etwa Blues, Folk, Jazzrock oder Funk and Soul im Rahmen dieser unkommerziellen Kulturpreise gewürdigt werden sollten.

Wie bewerben sich Musiker um eine Teilnahme und wie geht es dann weiter?

Ole Seelenmeyer: Alle interessierten Musikerinnen und Musiker wie auch Musikgruppen können sich jährlich über musiker-online.tv sowie über das Musiker Magazin und den Musikmarkt in den verschiedenen Sparten des „Deutschen Rock & Pop Preises“ bewerben. In der Regel laufen die Ausschreibungen in den Monaten März bis Ende August. Sämtliche eingesandten Tonträger und Unterlagen werden von neutralen Fachleuten als Juroren gewertet. In den Hauptkategorien werden dann die besten gut 80 Bands und Interpreten für ein Live-Kurzkonzert ausgewählt und eingeladen. Über die Preisträger der Neben- und Sonderkategorien wird allein durch Jurorenteams entschieden. Die einzelnen Preise werden dann zum Ende eines jeden Festivals feierlich überreicht.

Die Jury ist seit Beginn fester Bestandteil des Wettbewerbs. Nach welchen Kriterien beurteilt sie?

Ole Seelenmeyer: Zu allererst sollte gesagt werden, dass die Festivaljury nicht nach der  Orientierung der „Verkaufbarkeit“ wertet. In den früheren Jahren des Deutschen Rock & Pop Preises waren A & R-Manager in den Jurorenteams überrepräsentiert. Diese beurteilten die Teilnehmer nach der Möglichkeit einer erfolgreichen Tonträger- und Medienverwertbarkeit, also einem erfolgreichen Tonträgerverkauf. In den letzten zehn Jahren wurde durch neue Juroren die künstlerische Arbeit in ihrer ganzen Bandbreite in den Mittelpunkt gestellt: Kreativität, Originalität, Gesang, Instrumentation, Timing und Zusammenspiel, Komposition, Text.

Wie profitieren die Musiker von ihrer Teilnahme, beziehungsweise von einer Auszeichnung mit dem Deutschen Rock & Pop-Preis?

Ole Seelenmeyer: Die Vergangenheit hat es gezeigt: Der Gewinn eines „Deutschen Rock & Pop Preises“ in einer der verschiedenen Sparten erleichtert im erheblichen Maße die öffentlichkeitswirksame Arbeit der Künstler und kann sonst verschlossene Türen in der Medien- und Musikindustrie öffnen. So veröffentlicht der DRMV jährlich nach jedem Festival eine Pressedokumentation mit außergewöhnlichem Umfang und Inhalt. Diese Presseartikel werden dem DRMV in der Regel von den Preisträgern begeistert zugesandt mit der Bitte, die teils großformatigen Festival-Artikel der Tageszeitungen in dieser Dokumentation zu veröffentlichen. Diese oft umfangreichen Presseveröffentlichungen helfen den Künstlern bei der Gestaltung ihrer eigenen Künstlerbiografie mit der direkten Folge, dass Konzertveranstalter, Labels und Verlage ein größeres Interessen an ihnen zeigen.

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