Türöffner für Nachwuchsmusiker

78 Finalisten, 16 Juroren, 9 Stunden Wettbewerb: Beim 30. Deutschen Rock & Pop-Preis in Wiesbaden spielen zahlreiche Bands und Solokünstler um den Sieg in neun Hauptkategorien. 2013 zieht das Festival von den Rhein-Main-Hallen in den Schlachthof.

Von Simon Colin. Erschienen im Musikmarkt am 13.12. 2012.

Foto: Simon Colin

Foto: Simon Colin

„Die drei Minuten waren zu schnell vorbei“, sagt Gitarrist Markus Rink nach dem Auftritt mit seiner Band „Yes to say No“ am Samstag beim 30. Deutschen Rock & Pop-Preis in den Wiesbadener Rhein Main-Hallen. Doch mehr Zeit bleibt auch den übrigen 77 Musikern und Bands nicht, um die sechzehnköpfige Jury von ihrer Leistung zu überzeugen. Denn anders als mit einer Zeitbeschränkung ist das neunstündige Mammutprogramm kaum zu meistern. In den Backstage-Räumen geben sich die Musiker dann auch die Klinke in die Hand. Diszipliniert ziehen die Rock- und Pop-Preis-Organisatoren auch beim Jubiläumsevent ihren Zeitplan durch.

Die vier Kumpels von „Yes to say no“ sind extra aus Coburg nach Hessen gereist und treten in dieser Formation erstmals gemeinsam auf. Kennengelernt haben sich die sonst in anderen Bands spielenden Jungs in Proberäumen und beschlossen, für den Wettbewerb ihren Titel „I didn´t listen“ einzuspielen. Zwar schaffen sie es nicht aufs Treppchen in ihrer Kategorie Pop, doch ist es laut Sänger Benny Steinbach gerade für Local Heroes wichtig, Plattformen wie den Deutschen Rock & Pop-Preis zu nutzen und so das Kontaktnetzwerk zu erweitern.

„Befruchtung für deutsches Musikleben“

Als große Befruchtung für das deutsche Musikleben bezeichnet Schirmherr und Musikrat-Präsident Martin Maria Krüger den Deutschen Rock & Pop-Preis in seiner Jubiläumsrede. Eine enorme Leistung sei die ehrenamtliche, leidenschaftliche Arbeit der Macher aus dem Deutschen Rock & Pop-Musikerverband (DRMW). Dessen Vorsitzender und Rock & Pop Preis-Erfinder Ole Seelenmeyer betont die Türöffner-Funktion für die Preisträger: gerade die Presse vor Ort berichte oft großformatig über die Gewinner, die wiederum Öffentlichkeit für sich schaffen könnten.

So auch die acht Hauptpreisträger 2012: „Fernsucht“ aus Hagen siegen in der Kategorie Pop, Jessy Martens & Band aus Hamburg in der Kategorie Rock und Sio Steinberger aus Amerang in der Kategorie Singer/Songwriter. Junksound aus Jena gewinnen den Deutschen Rock & Pop-Preis in der Kategorie Alternative, Shotgun Express aus Stuttgart in der Rubrik Hard Rock, Society Be aus Herne im Segment Funk & Soul sowie Bölter aus Hamburg im Bereich Country und Robin Sun aus Freinsheim in der Kategorie Singer. Der Publikumspreis geht an Danny June Smith aus Langenselbold. Weitere Preise wurden in 63 Nebenkategorien, 24 Sonderkategorien und 21 Sonderauszeichnungskategorien vergeben.

Juroren Rolf Munkes, Lutz Sommer, Safiya, Peter Ries. Foto: Simon Colin

Juroren Rolf Munkes, Lutz Sommer, Safiya, Peter Ries. Foto: Simon Colin

„Es ist schwieriger geworden, sich als kleiner Künstler mit seiner Musik zu präsentieren, deswegen ist der Deutsche Rock & Pop-Preis so wichtig“, ordnet Komponist und Juror Oliver Blume die Relevanz der Veranstaltung ein. Fünfzehn weitere Branchenvertreter versammelten sich in der Jury, darunter die Musiker Rolf Munkes, Michael John Brosnan, Steffi Stephan, Sam Kelly, Klaus Kreuzeder, Ringo Funk und Safiya. Außerdem Produzent Peter Ries, Roland Meinl-Marketingmanager Thomas Supper, Shure-Marketingmanager Nik Gledic, Teac-Tascam Vertriebler Lutz Sommer sowie Thomas Petzold von Alfred Music Publishing, André Scherzer vom König & Meyer-Marketing und Musikmanagement-Lehrender Bernd Giezek.

Veranstalter-Hemmschwellen abbauen

„Ich bin total hin und weg und habe sogar geweint“, sagt Danny June Smith nach ihrem Sieg im Musikmarkt-Gespräch. „Der Publikumspreis ist der beste Preis und die größte Ehre.“ Bereits in den Vorjahren hatte sie mehrfach einen Preis in ihren Kategorien Country und Folk gewonnen und sei seitdem deutlich mehr gebucht worden. Seit gut zwei Jahren kann sie überwiegend von ihrer Musik leben und veröffentlicht im März ihr neues Album „Made in June“ in einer deutschen und in einer englischen Fassung. Auch für die charismatische Sängerin Jessy Martens und ihre Band läuft es rund. Erst vor wenigen Monaten hatten sie laut Manager Jan Fischer die German Blues Awards in den Kategorien beste Sängerin, beste Band und bester Tonträger gewonnen. Nun die Pole Position in der Kategorie Rock beim Deutschen Rock & Pop-Preis. „Das ist schon ein enormer Motivationsschub“, sagt Jan Fischer. Ein Interview mit dem NDR ist bereits im Kasten, im Februar soll das neue Album erscheinen.

Als „kompromisslosen, dreckigen Hardrock“ bezeichnen Shotgun Express ihre Musik, die in eben jener Kategorie ganz oben stehen. Die fünf harten Rocker sind bei Da Music unter Vertrag und spielen laut Schlagzeuger Matt Lush pro Jahr bereits sechzig Konzerte. „Aber wir wollen noch mehr.“ Der Deutsche Rock & Pop-Preis soll dazu beitragen, den Bandnamen einmal mehr in die Öffentlichkeit zu tragen und eventuell auch im Endorsement-Bereich etwas zu bewegen. Musikalisch spürbar sanfter sind die sechs Musiker von Fernsucht unterwegs. Die Single „Nie mehr“ und das Album „Neuland“ sind kürzlich erschienen. Nun erhofft sich die Band, im Bereich Booking Türen aufzustoßen. „Denn wir sind eine Live-Band und es ist wichtig für uns, aufzutreten“, sagt Gitarrist Daniele Bucco. Auch Society Be, Gewinner in der Rubrik Fun & Soul, möchten den Deutschen Rock & Pop-Preis dazu nutzen, um die Hemmschwellen der Veranstalter abzubauen.

Als progressiven Metal, der auch melodisch sein darf, bezeichnet Junksound-Gitarrist Alexander Rauhut den Stil seiner Band. Die vier Jungs sind überwiegend noch mitten im Studium und möchten zu Jahresbeginn gleich zu zwei aktuellen Singles ein Musikvideo veröffentlichen. Robin Sun, Sieger im Segment Singer, sieht sich auch als Unterhaltungskünstler. Backstage hat er bereits für Größen wie Phil Collins oder Howard Carpendale gesungen, „hier beim Rock & Pop-Preis war es mir wichtig, wie meine Stimme ankommt.“ Bei der Jury scheinbar gut: Platz 1 für ihn auch in den Kategorien bester Pop-Sänger, bester Latin Pop-Sänger und bester Musical-Sänger. Robin Sun lebt seit vielen Jahren von seiner Musik, zumindest teilweise können das auch die drei Musiker von Bölter von sich sagen, die in der Kategorie Country ganz vorne rangieren. Die erste Single aus ihrem aktuellen Studioalbum „The World out there“ schaffte es in mehr als fünfzig Sendern auf die Airplayliste. Eine 36 Gigs umfassende Tour ist gerade zu Ende gegangen.

Sio Steinberger, Sieger im Bereich Singer/Songwirter, reichert seine Musik mit klassischen und sinfonischen Elementen an. Er kommt aus der Sozialarbeit und arbeitet musikalisch mit sozial benachteiligten Jugendlichen. Gewaltprävention ist eines seiner Kernthemen, „Friedvoller Krieger“ heißt seine aktuelle Single. Im Rahmen der Arbeit an seiner vor ein paar Jahren veröffentlichten Charity-CD „Erde und Mensch“ arbeitete er unter anderem mit Silbermond, Ich und Ich sowie den Söhnen Mannheims

Auch 2013 in Wiesbaden

Alle Hauptpreisträger vom Samstag erhalten ein einjähriges Förderprogramm des Deutschen Rock & Pop-Musikerverbands. Am 1. April 2013 startet dann die Bewerbungsphase für den Deutschen Rock & Pop-Preis 2013. Nachwuchskünstler können sich bis zum 15. August mit ihrer Eigenkomposition bewerben. In der Kategorie Song sind auch Cover-Versionen zugelassen. Einzige Bedingung ist, dass kein Vertrag mit einem Major-Label besteht. Die Anmeldegebühr beträgt 30 Euro und für DRMV-Mitglieder 20 Euro. Die Teilnahme am Finale kostet 100 Euro je Hauptkategorie und 75 Euro je Sonder- und Nebenkategorie. Fest steht, dass der 31. Deutsche Rock & Pop-Preis auch 2013 in Wiesbaden stattfinden wird. Dann allerdings im neuen Schlachthof, so Wiesbadens Oberbürgermeister und Rock & Pop-Preis Schirmherr Helmut Georg Müller. Die Rhein-Main-Hallen müssen einem Neubau weichen.

Links zu den Gewinnern:

www.philip-boelter.de

www.fernsucht-band.de

www.jessymartens.de

www.shotgun-express.de

www.danny-june-smith.de

www.societybe.de

www.siosteinberger.de

www.robin-sun.de

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