Serielles noch nicht etabliert

Bei DVD- und Blu Ray-Reihen ist der Buchhandel zurückhaltend. Doch mit einer gezielten Auswahl kann er die Ertragsquote erhöhen und sein Profil schärfen.

Von Simon Colin. Erschienen im Buchreport DVD Spezial am 5.4.2013

Beim Streifzug durch die Buchhandlungen wird schnell klar, dass die DVD gerade in größeren Geschäften und bei Filialisten mit einem breiten Angebot einen festen Platz im Sortiment gefunden hat. Beispiel Weltbild. Dort nehmen Serien, Reihen und Editionen sogar einen besonderen Raum ein: Sissi, Asterix oder auch Harry Potter, Weltbild setzt augenscheinlich auf Serielles. „Insbesondere Serien, Editionen und Reihen spielen seit Jahren eine wichtige Rolle im Programm“, sagt Weltbild-Kommunikationschefin Eva Großkinsky. Die Augsburger haben sogar eine eigene Programmredaktion, die speziell für Weltbild ein Sortiment zusammenstellt. Mehr als fünfzig Weltbild-Film-Editionen sind bislang erschienen, von denen das Unternehmen bereits mehrfach über 100.000 Exemplare pro Edition verkaufen konnte.

Höherer Stücknutzen bei hochpreisigen Reihen

Foto: Arthaus Musik.

Foto: Arthaus Musik.

Allerdings ist Weltbild eine Ausnahme. „TV-Serien haben noch nicht wirklich Einzug in das breite Buchhandelsangebot erhalten“, sagt Ingrid Hölzel, Brand Managerin Kids, TV, Anime bei Universum Film. Sie erkennt gar eine traditionelle Zurückhaltung, was die Platzierung von Serien im Buchhandel betrifft. Doch nach Meinung der Home-Entertainment-Vertreter sind Serien und Editionen gut geeignet, um den Umsatz mit DVDs und Blu Rays zu verbessern und das Profil der Buchhandlung zu schärfen.

  • Gerade bei hochpreisigen DVD-Reihen kann der Buchhändler seinen Durchschnittsertrag pro Stück erhöhen und sich so einen besseren Stücknutzen sichern. Nach Meinung von Nicola Hoffmanns, Marketingleitern bei Concorde Home Entertainment, eignen sich DVD- und Blu Ray-Boxen auch deswegen, weil sie vom stationären DVD-Handel wie Media Markt oder Saturn weniger preisaggressiv angeboten werden, „so dass der Buchhandel hier keinen Preis-Verriss zu befürchten hat.“
  • Ingrid Hölzel zufolge sind Serien gerade bei Frauen beliebt, „deswegen kann der Buchhandel immer weniger auf dieses Format verzichten.“ Als Beispiel nennt sie die „Doctor´s Diary Komplett-Edition“, die „ganz hervorragend“ über den Buchhandel funktioniert hat. Concorde Home Entertainment meldet ähnliche Erfolge für das „Twilight-Saga“-Boxset.
  • Für Tom Mac Arthur, Label Manager bei Arthaus Musik, ist hingegen die Fokussierung auf das kulturaffine Publikum im Buchhandel sinnvoll. „Oper, Ballett und Klassik haben die gleiche Zielgruppe wie der Buchhandel. Diese Zielgruppe geht nicht zu Media Markt oder online einkaufen, sondern kauft gerne in angenehmer Atmosphäre haptisch ansprechende Produkte.“

Editionen speziell für den Buchhandel

Neben Frauen, aber auch Sammlern, eine weitere wichtige Zielgruppe für Serien und Editionen: Geschenke-Käufer, die Wert darauf legen, eine umfangreich ausgestattete Box zu erwerben. Beschenkte sind oft auch Kinder, so dass zahlreiche Labels entsprechende Serienklassiker auflegen. Concorde Home Entertainment ist im Buchhandel etwa mit „Shaun das Schaf“ erfolgreich. Oetinger versteht seine Kino-Reihe als auf den Buchhandel maßgeschneiderte Edition, in der zum Beispiel Verfilmungen von Astrid Lindgren oder Erich Kästner zu finden sind sowie aktuelle Serien wie „Der kleine Ritter Trenk“ oder „Gregs Tagebuch“. Weitere Home Entertainment-Labels entwickeln Editionen entweder gezielt für den Buchhandel oder verstehen sie als besonders geeignet zum Verkauf dort:

  • Speziell für den Buchhandel hat Arthaus Musik seine Theateredition konzipiert. Tom Mac Arthur sieht hier Verbindungen zum Kunstbuch und zu Literaturklassikern, die Reihe werde gut vom Buchhandel angenommen. Auch die Reihe „1000 Meisterwerke“ spricht insbesondere Kunden im Buchhandel an.
  • Mit Editionen wie „Arthaus Collection“ oder „Edition Deutscher Film“ möchte Studio Canal Buchhändlern und Kunden eine Orientierung geben. Deswegen sind die Kollektionen nach Genre strukturiert, etwa Literaturverfilmung, Dokumentation oder Skandinavischer Film, sagt Torsten Radeck, Head of Catalogue Home Entertainment Germany.
  • Twentieth Century Fox fasst in seine Cine Projekt-Reihe anspruchsvolle Filme abseits des Mainstream, die aber von durchaus namhaften Regisseuren produziert wurden und so den Bogen zum Populären spannen.

Weit verbreitet sind Kooperationen der Home Entertainment-Firmen mit renommierten Medien. Zu nennen ist hier etwa die Cinemathek Edition der Süddeutschen Zeitung. Universum Film hat mit dem Kultur Spiegel die Reihe „Große Kinomomente“ gestartet, die auf inzwischen mehr als hundert Titel angewachsen ist. Für die Edition „Kinderfilme aus aller Welt“ ging Oetinger eine Kooperation mit dem Zeit-Verlag ein.

Grundsätzlich wichtig für die Akzeptanz von Serien, Reihen, Kollektionen oder Editionen ist laut Torsten Radeck, dass Inhalt, Form und Preisdarstellung im richtigen Mix zueinander stehen. Zudem sei eine klare Orientierung wichtig. „Viele Buchhändler scheuen das Thema DVD, weil es mit über 50.000 lieferbaren Titeln eine schier unüberschaubare Menge an Produktionen gibt. Mit unseren Reihen versuchen wir dem entgegenzuwirken und helfen, eine Auswahl zu treffen.“

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