Jeder vierte Sponsoring-Euro von Heineken, Becks & Co.

Deutschland ist der größte Markt für Livemusik-Sponsoring in Europa. Wie auch in Deutschland engagieren sich insbesondere Anbieter alkoholischer Getränke auf europäischen Festivals und Konzerten. Dies sind zentrale Ergebnisse einer Benchmark-Analyse von Sponsoring-Berater Repucom.

Von Simon Colin. Erschienen im Musikmarkt am 3.5. 2013

Foto: Anheuser-Busch InBev

Foto: Anheuser-Busch InBev

120 Millionen Euro haben Unternehmen in 2012 für das Sponsoring von Livemusik-Events in Europa ausgegeben. 18 Prozent und damit gut 22 Millionen Euro entfielen dabei auf das Sponsoring von Festivals, Konzerten und sonstigen Musikevents in Deutschland. Rang zwei in Europa nimmt Großbritannien ein: 12 Prozent oder etwa 14 Millionen Euro investierten die Unternehmen dort für Livemusik-Sponsoring.

Erhoben wurden die dem Musikmarkt vorliegenden Daten zum Livemusik-Sponsoring-Volumen in Europa von Repucom, in Köln ansässiger Forschungs- und Beratungsdienstleister im Bereich Sponsoring. Aufbauend auf diesen ersten Zahlen soll voraussichtlich im Herbst ein ausführlicher Report zum Livemusik-Sponsoring in Europa erscheinen – analog dem 2012 von Repucom veröffentlichten Bericht für den deutschen Markt.

Die aktuell vorliegenden Daten machen insbesondere mit Blick auf die Branchenzuordnung der Sponsoren deutlich, dass es zwar viele Überschneidungen, aber teils auch gravierende Unterschiede zwischen dem deutschen und dem europäischen Markt gibt. An der Spitze zunächst kaum Unterschiede: jeder vierte Sponsoring-Euro kommt in Europa von Herstellern alkoholischer Getränke, darunter Heineken, Becks, Smirnoff oder Tuborg. Exakt den gleichen Wert weist der Livemusik-Sponsoring Report 2012 für Deutschland auf.

14 Prozent des europäischen Sponsoring-Volumens (Deutschland: 12 Prozent) stammt von Anbietern aus dem Bereich Telekommunikation/EDV+Büro, darunter etwa Vodafone oder Skype. Rang drei belegen die Anbieter alkoholfreier Getränke mit 12 Prozent. In Deutschland sind es acht Prozent und somit Rang 5. Die Branche „Finanzen/Banken/Versicherungen“ folgt mit neun Prozent europaweit auf Platz 4 (Deutschland: 10 Prozent, ebenfalls Platz 4).

Die große Überraschung: lediglich fünf Prozent des europäischen Sponsoringvolumens kommt von Anbietern aus den Bereichen Automobil und Transport (Rang 5). Zum Vergleich: in Deutschland macht diese Branche mit 19 Prozent fast jeden fünften Sponsoring-Euro aus, Platz 2 im nationalen Ranking. „Einige Autohersteller engagieren sich traditionell stark in ihrem deutschen Heimatmarkt, teilweise ist das auch Standortmarketing“, sagt Andreas Ullmann, Director Business Development bei Repucom. „Umgekehrt ist die Finanzwirtschaft im europäischen Livemusik-Sponsoring stärker präsent, aber nicht bei den großen deutschen Festivals. Gerade die Direktbanken hätten hier aber die Möglichkeit, sich einer jungen Kundengruppe anfassbar zu präsentieren. Es überrascht mich, dass bisher keine Direktbank das als ‚First Mover‘ genutzt hat!“

Als ein herausstechendes Beispiel für eine gelungene Kundenansprache im Zuge von Livemusik-Sponsoring nennt Andreas Ullmann das Schweizer Handelsunternehmen Migros, hierzulande vergleichbar mit Rewe. In der Schweiz ist Migros laut Andreas Ullmann einer der größten Sponsoren und zeigt auf Veranstaltungen mit dem „Supermarkt to go“-Konzept Präsenz. Hierbei kommen Busse zum Einsatz, in denen sich ein kleiner Supermarkt befindet. Festivalbesucher erhalten hier Getränke und Speisen zu günstigeren Preisen als den sonst üblichen Preisniveaus auf Musikevents.

Eine europäische Strategie im Festival- und Tourneesponsoring verfolgen bis dato fast nur Getränkesponsoren, so Andreas Ullmann. Dementsprechend sind Coca-Cola, Heineken & Co. auch die größten europäischen Livemusik-Sponsoren. Coca Cola sponsert zum Beispiel das Rock Werchter in Belgien, Rock en Seine in Frankreich oder Sziget in Ungarn. Vodafone und Heineken sind beim britischen Isle of Wight präsent, Heineken unter anderem beim französischen Eurockéennes und auch namentlich beim Heineken Balaton Sound in Ungarn und dem Heineken Open`er in Polen. Tuborg sponsert zum Beispiel das britische Leeds Festival, das dänische Roskilde oder Hard Rock Calling in England.

Länderübergreifende Musik-Sponsorings spielen auch für Jägermeister eine wichtige Rolle. „Je nach Märkten und gewachsenen Traditionen fokussieren wir unterschiedliche Maßnahmen“,  sagt Nadine Strotmann, Head of Event-Marketing Mast-Jägermeister SE. Besonders wichtig sei der Heimatmarkt Deutschland, viele Aktivitäten hier dienen als Inspiration für andere Märkte. International ist Jägermeister in fast neunzig Ländern aktiv. „UK ist für uns zum Beispiel ein wichtiger und stark wachsender Markt“, so Nadine Strotmann. „Wir sind hier mit einer eigenen Music-Tour landesweit unterwegs und haben einen Music-Manager vor Ort, der sehr gut mit unterschiedlichsten Szenen vernetzt ist und genau weiß, welche Bedürfnisse unsere Zielgruppe hat.“

Den großen Vorteil von Festival-Sponsorings sieht sie im direkten und unmittelbaren Kontakt der Marke zur Zielgruppe. „Im Unterschied zu klassischen Maßnahmen gibt es in diesem Bereich viele Möglichkeiten, die Besucher in ein Geschehen zu involvieren, ihnen ein unvergessliches Erlebnis mit einem Produkt zu schenken und sie nachhaltig zu emotionalisieren.“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s