„Ein großartiges Zuhause für Musik“

Die Jahrhunderthalle Frankfurt feiert mit ihren Kunden ihr fünfzigjähriges Bestehen. Viel Lob für „eine der schönsten Hallen Deutschlands“.

Von Simon Colin. Erschienen im Musikmarkt am 27. Juni 2013

Was hat die Jahrhunderthalle Frankfurt in den Anfangsjahren nicht alles über sich ergehen lassen müssen. „Calimeros Ei“, Ufo oder „Wirtschaftswunderwarze“ waren die Synonyme für den Kuppelbau im Frankfurter Stadtteil Höchst. Mittlerweile wird nicht nur die architektonische Leistung Friedrich Wilhelm Krämers gewürdigt, sondern auch die fünf Jahrzehnte andauernde Veranstaltungshistorie. Und so ist von Eiern, Ufos oder Warzen nichts mehr zu hören, als das Team um Geschäftsführerin Ursel Ottersberg aus Anlass des fünfzigjährigen Hallenjubiläums Geschäftsfreunde und Künstler zum Get together einlädt.

„Die Jahrhunderthalle ist nach wie vor eine der schönsten Hallen Deutschlands“, sagt etwa Wizard Promotions-Chef Oskar Hoppe. Hier habe er einst sein erstes Konzert gesehen und veranstaltet seit Jahrzehnten selbst Musikgigs in dem 2700 sitzende und 4800 stehende Menschen fassenden Bau. Als seine „Haus- und Hofhalle neben der Festhalle Frankfurt“ bezeichnet A.C.T.-Geschäftsführer Hermjo Klein die Jahrhunderthalle. „Sie ist weiträumig und bequem, das ist toll für das Publikum.“

„Ein besonderer Spirit“

Stefan Remmler (Trio) mit Ursel Ottersberg, Geschäftsführerin Jahrhunderthalle. Foto: Simon Colin

Stefan Remmler (Trio) mit Ursel Ottersberg, Geschäftsführerin Jahrhunderthalle. Foto: Simon Colin

Für Ursel Ottersberg hat die Halle einen „besonderen Spirit“. Viele Künstler hätten hier ihre „Foodprints“ hinterlassen. Zu ihnen gehört Jimi Hendrix oder auch Janis Joplin, die in der Jahrhunderthalle 1969 ihr einziges Deutschlandkonzert gab. Eindrucksvoll liest sich eine Tafel im Untergeschoss, auf der alle wichtigen Künstler seit 1963 aufgeführt sind.

Ganz zu Beginn steht hier der Violinist Jehudi Menuhin. Im Premierenjahr 1963 war sein Auftritt der erste, mit dem sich die damals noch „Jahrhunderthalle Höchst“ genannte Spielstätte einen Namen machte. Das erste öffentliche Konzert war allerdings das der Bamberger Symphoniker im Februar 1963.

Fast vierzig Jahre lang wurde die Jahrhunderthalle von der Hoechst AG betrieben und entsprechend subventioniert. Gebaut hat sie das Unternehmen zu seinem hundertjährigen Bestehen als Feierabendhaus für seine Mitarbeiter. Musikalische Abende und klassische Konzerte dominierten in den Anfangsjahren den Spielplan. Doch schon Mitte der Sechziger standen auch Rock-, Blues- und Jazzkonzerte auf dem Konzertkalender.

Fritz Rau war es schließlich, der die Jahrhunderthalle 1965 als erster Fremdveranstalter für sich entdeckte und jahrzehntelang mitprägen sollte. Auch immer mehr große Stars bedachten das Haus auf ihrem Tourplan: James Brown, Jimi Hendrix oder Steppenwolf in den Sechzigern, ABBA, Tina Turner, Elton John oder Frank Sinatra in den Siebzigern, Supertramp, Aha oder Sting in den Folgejahren. Legendär ist ein Auftritt von Jethro Tull 1970. Aufgebrachte Fans zerstörten einen Teil der prominenten Glasfront, weil sie keine Karten mehr ergattern konnten. Ungerührt dessen trohnt die Halle bis heute auf ihren abgerundeten Betonpfeilern.

Zu den größten Künstlern der vergangenen Jahre zählen unter anderem Rihanna und Coldplay. Lady Gaga spielte hier 2009 noch im Vorprogramm. „Die Jahrhunderthalle ist auch ein Ort, an dem die Künstler groß werden“, sagt Ursel Ottersberg.

Vielseitig sein und offen für Neues

Seit 1998 steht die Jahrhunderthalle unter Denkmalschutz, ein Jahr später verkaufte die Hoechst AG nach drastischen unternehmensinternen Umstrukturierungen das Haus an die Deutsche Entertainment AG (DEAG). Das jahrzehntelang mit Millionenbeträgen subventionierte Haus musste sich nun auf dem Markt behaupten. Und das gelang schnell. „Sie haben nach zweieinhalb Jahren schwarze Zahlen geschrieben, wie haben Sie das gemacht?“, wollte hr-Moderator Holger Weinert am Festabend von Ursel Ottersberg wissen. Ihre Antwort: „Wir haben uns schon immer programmlich vielseitig aufgestellt und waren offen für neue Formate.“

Laut Peter Schwenkow, DEAG-Vorstandsvorsitzender, hat Musik in der Jahrhunderthalle ein „großartiges Zuhause“ gefunden. In den vergangenen Jahren zunehmend auch Schlager- und Volksmusik, Musicals sowie Comedy oder Varieté- und Zirkusshows. Inklusive der Open Airs und Festivals auf den großzügigen Außenflächen kommen jährlich gut eine Million Menschen in und an die Jahrhunderthalle.

DEAG-Chef Peter Schwenkow (rechts) mit Veranstalter Oskar Hoppe. Foto: Simon Colin

Ein weiteres wichtiges Standbein ist seit einigen Jahren der Kongress- und Hauptversammlungsbereich. Seit 2008 ist die Jahrhunderthalle in der Kategorie „Halle und Arenen“ die Nummer 1 in der Hauptversammlungsstatistik. Sieben Unternehmen aus Dax und M-Dax richten hier jährlich ihre Aktionärstreffen aus. „Sie sind der König der Jahreshauptversammlungen“, so Holger Weinert. Mit Blick auf das Musikprogramm ist die Jahrhunderthalle nach wie vor breit aufgestellt, wie das bevorstehende Programm für 2013 zeigt. Neben Hurts oder The Boss Hoss stehen auch „The Australian Pink Floyd Show“ oder das Rhythmus-Spektakel Mayumana auf der Agenda.

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