Qualität der Produktionen spricht sich langsam herum

Der Kübler Verlag hat sich auf epische Hörbuchfassungen historischer Romane spezialisiert. Produziert werden die ungekürzten Lesungen im verlagseigenen Tonstudio.

Von Simon Colin. Erschienen im Buchreport Spezial Hörbuch 2013.

„Sharpes Feuerprobe“ hieß das erste Hörbuch, mit dem der Kübler Verlag vor drei Jahren sein auf historische Stoffe spezialisiertes Audio Book-Programm startete. Was Verlagsgründer Bernd Kübler und seine Frau Alena damals noch nicht ahnen konnten: gleich in mehrfacher Hinsicht sollte der Premierentitel Omen für eine das Adrenalin treibende Startphase sein.

„Wir haben lange experimentiert“

Bernd und Alena Kübler. Foto: Simon Colin

Erfahren war Bernd Kübler zu dieser Zeit bereits als Multi-Verleger. So hatte er Anfang der achtziger Jahre unter anderem Bücher des Soziologen Dieter Duhm und das erste Greenpeace-Buch „Rettet die Wale“ veröffentlicht. In den Folgejahren gelang ihm in einer komplett anderen Branche ein großer Erfolg: als Erfinder der Offertenzeitung „Sperrmüll“ dominierte er mehr als zwanzig Jahre lang den Kleinanzeigenmarkt in Mitteldeutschland. Nach dem Verkauf der Zeitung 2005 wagte sich Bernd Kübler mit der Produktion von Hörbüchern erneut auf völlig neues Terrain.

Von Vorteil war, dass zum Verlagshaus bereits ein Tonstudio gehörte. In den Folgejahren verbrachten Bernd Kübler und seine Frau dort unzählige Stunden, um sich autodidaktisch dem Medium Hörbuch zu nähern und einen eigenen Stil zu entwickeln. „Wir haben lange experimentiert“, erinnert sich Bernd Kübler, der wie seine Frau auch von historischen Romanen fasziniert ist. Ihr Traum: die „Sharpe-Reihe“ des britischen Schriftstellers Bernard Cornwell als Hörbuchedition herausbringen. Hierfür hatten sie ihre erste Feuerprobe zu bestehen: an die Lizenz kommen. Auf der Frankfurter Buchmesse, völlig unbefleckt vom Hörbuchgeschäft, wagten sie sich ins Gespräch mit Rechteinhaber Lübbe – und erhielten den Zuschlag. „Ich denke, wir konnten überzeugend darstellen, wie sehr wir uns auf einen Titel konzentrieren“, sagt Bernd Kübler.

Feuerprobe für die Feuerprobe

Die zweite Feuerprobe mussten Bernd und Alena Kübler dann im Produktionsstudio bestehen. Als Sprecher für die Sharpe-Reihe konnte Torsten Michaelis gewonnen werden. „Allerdings ging am ersten Tag alles schief, was nur schief gehen konnte“, erinnert sich Alena Kübler. „Doch Torsten Michaelis war sehr geduldig, hat uns sogar getröstet.“ Inzwischen ist das achte „Sharpe“-Hörbuch erschienen und Torsten Michaelis gehört, wie auch Johannes Steck oder Stefan Wilkening, zum festen Sprecherensemble des im südhessischen Lampertheim beheimateten Verlags.

Für Alena Kübler hat die Wahl des richtigen Sprechers einen besonders hohen Stellenwert. „Gerade bei historischen Stoffen muss die Stimme zur Zeit passen, diese glaubwürdig wiederspiegeln.“ Gelungen sei dies nicht nur mit Torsten Michaelis für die Sharpe-Reihe, sondern auch mit Johannes Steck für die Serie „Jack Aubrey & Stephen Maturin“ von Patrick O´Brian oder mit Stefan Wilkening für „Flashman“ von G. M. Fraser.

Foto: Kuebler Verlag

Foto: Kuebler Verlag

Um während den Produktionen gute Bedingungen zu ermöglichen, nehmen sich Bernd und Alena Kübler viel Zeit für die Produktion und so auch für ihre Sprecher. „Ruhe und Pausen sind wichtig, wir können uns das auch leisten, weil wir keine Produktionszeiten zu bezahlen haben“, sagt Bernd Kübler. Genauso wichtig ist ihm zufolge die redaktionelle Betreuung der Sprecher. „Denn ein Hörbuch ist eine Interpretation des Stoffes“, betont Alena Kübler. „Leider sind viele Hörbücher so lieblos heruntergesprochen, dass man sich am Schluss fragt, was man da eigentlich gerade gehört hat.“

Die historischen Romane werden redaktionell leicht redigiert, aber in ungekürzten Fassungen eingesprochen. „Das möchten unsere Hörer so“, sagt Bernd Kübler. Zwischen zehn und zwanzig CDs ist eine Hörbuchproduktion stark, jedes Audio Book wird inzwischen immer auch in der mp3-Variante angeboten. Pro Jahr veröffentlicht der Kübler Verlag bis zu sechs Hörbücher, darunter auch die Reihe „Walbreckers Klassiker für Kids“. Sie soll das Hörverstehen fördern, aber auch den Spaß des Hörens vermitteln.

„Die schwierigste Aufgabe in unserer Nische: Kunden erreichen“

Zwei Drittel der physischen Titel werden über den Buchhandel verkauft, der Rest überwiegend an den Tonträgerhandel. Der Verkauf via Download macht inzwischen bereits ein Drittel des Gesamtumsatzes aus. Zu den größten Kunden zählen spezialisierte Händler, etwa „Berliner Zinnfiguren & Preußisches Bücherkabinett“ in Berlin und Audiamo in Wien, eine Buchhandlung, die sich auf historische Stoffe spezialisiert hat. „Gerade im Buchhandel sind wir auf Händler angewiesen, die ihre Kunden kennen und ihrer Rolle als Vermittler ausüben“, sagt Alena Kübler.

Kontakt zu ihren Hörern, zu den Käufern der historischen Titel zählen auch viele Frauen, erhalten Bernd und Alena Kübler insbesondere über die Buchmesse und über Internetforen. „Die schwierigste Aufgabe in unserer Nische ist, unsere Kunden überhaupt zu erreichen“, sagt Alena Kübler. Gespannt werden konnte ein Netzwerk von Rezensenten in Literaturportalen, außerdem ist der Kübler Verlag in einschlägigen Webplattformen präsent, etwa in Foren zu Napoleon.

Die Qualität der Kübler-Hörbücher spricht sich derweil auch bei den großen Buchhandelsketten herum. Bernd Kübler ist hier aktuell im Dialog. Von Rowohlt gab es 2012 die erste Lizenz für einen Bestseller: David Mitchells „Der Wolkenatlas“ erschien als Hörbuch bei Kübler. Und doch geht es in den kommenden Jahren vor allen Dingen darum, wirtschaftlich zu überleben, wie Bernd Kübler sagt. Problematisch sei für kleinere Verlage die 19 Prozent-Besteuerung auf Hörbücher. Fluch und Segen zugleich sei das Internet. Raubkopien sind Bernd Kübler zufolge auch für seinen Verlag nach wie vor ein Problem. Zugleich baut er darauf, dass das Download- und Streaming-Geschäft weiter floriert. Ist doch die CD-Produktion neben dem Sprechereinsatz der stärkste Kostentreiber. Bewahrt werden soll hingegen die Qualität der Produktionen. Alena Kübler: „Unsere Bücher sind komplex, aber unsere Hörer sollen deren Sprache genießen.“

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