Design-Accessoires als Zusatz zum Buch

dfp-Design aus Baden-Baden übernimmt Vertrieb und Markenmanagement für fünfzehn internationale Lifestyle-Artikler. Im Buchhandel steigt die Nachfrage.

Von Simon Colin. Erschienen im Buchreport Spezial Non Book am 31. August.

Eine Weltkarte zum Freirubbeln. Klingt wie eine verrückte Idee, haben die Designer des britischen Kreativ-Geschenkartiklers „Luckies“ aber bereits umgesetzt. Die Karten sind, wie man es von Losen her kennt, mit einer goldenen Schicht überzogen, die die Ländergrenzen zunächst nur nachzeichnet. Die Flächen des Landes lassen sich freirubbeln, etwa nach dem Urlaub, so dass mit der Zeit eine kunterbunte, individuelle Reisekarte entsteht.  „Die Scratch-Map läuft im Buchhandel richtig gut“, sagt Anna Grafe, Produktmanagerin beim Baden-Badener Unternehmen dfp Design. Für fünfzehn ausgefallene Designermarken im Segment Lifestyle-Geschenkartikel und Wohn-Accessoires übernimmt das Unternehmen Vertrieb und Markenmanagement exklusiv in Deutschland und Österreich. Hierzu gehört auch das britische „Luckies“.

Produkte sollen überraschen und zum Entdecken anregen

Würde im dfp-Büro eine „Scratch-Map“ hängen, wäre darauf schon ziemlich viel freigerubbelt. Denn die Geschäftspartner der Baden-Badener kommen aus aller Welt: Israel, Thailand, Korea, Großbritannien, Spanien, Holland. „Wir sind schon viel gereist und haben uns viel angeschaut, insbesondere auf Messen“, sagt Anna Grafe. Hier kommt das dfp-Team in Kontakt mit jungen Produktdesignern. Außergewöhnlich sollten deren Entwicklungen sein, überraschen, zum Entdecken anregen, etwas bieten, das man in Deutschland so noch nicht gesehen hat.

"Scratch-Map". Foto: dfp Design.

„Scratch-Map“. Foto: dfp Design.

Angefangen hatte alles vor fünfzehn Jahren. Eduard Grafe, von Hause aus Jurist, stieg in den Vertrieb von Kameras ein und kam auf einer Messe per Zufall in Kontakt mit den Kreativen von „Monkey Business“. Die in Israel beheimateten Designer entwickeln witzige Gebrauchs-Accessoires, etwa Tacker in der Form eines Wals, Pinocchio-Spitzer oder Schmetterlings-Pins. Eduard Grafe ließ sich begeistern und dafür gewinnen, die Produkte zu vertreiben. Mit der Unterstützung seiner Frau Cornelia Bechtold-Grafe, heute eine der beiden Geschäftsführer, wuchs das Geschäft langsam, aber stetig. Vor etwa acht Jahren so konstant, dass man sich entschied, den professionellen Vertrieb zu wagen.

Auf zwanzig Mitarbeiter ist das Familienunternehmen inzwischen angewachsen. Zum Team gehören mittlerweile auch Sohn Julian Grafe als weiterer Geschäftsführer und Anna Grafe als Produktmanagerin. In gut 2000 Geschäften sind die über dfp Design vertriebenen Artikel erhältlich, überwiegend Designläden. Gut fünfzehn Prozent der Partnergeschäfte sind Buchhandlungen. „Wir arbeiten gerne mit kleinen Händlern zusammen“, sagt Anna Grafe. Zu den Geschäftspartnern zählen aber auch Filialisten wie Mayersche, zudem große Handelshäuser wie Karstadt.

Themen wie Reise, Wohnen und Kochen

Neben „Monkey Business“ ist auch das über dfp Design erhältliche Sortiment von „Kikkerland“ gut im Buchhandel vertreten, sagt Anna Grafe. „Kikkerland bietet viele gute Kassen- und damit Mitnahmeprodukte aus den Bereichen Schreibwaren und Geschenkartikel.“ Hierzu zählen ausgefallene Dinge wie Insekten-Pins oder Party-Masken. Insbesondere aber die solarbetriebene Winkequeen Elisabeth II, wie Anna Grafe sagt. „Unsere Marken sind ein schöner Zusatz zum Buch“, definiert Anna Grafe einen Grund, warum die ungewöhnlichen Produkte ins Buchhandels-Sortiment passen. Oft geht es um Themen wie Reise, Wohnen oder Kochen. Eine wichtige Zielgruppe sind Frauen zwischen dreißig und fünfzig und damit eine Klientel, die gerne Buchhandlungen besucht.

"Winkequeen". Foto: dfp Design.

„Winkequeen“. Foto: dfp Design.

Und in der Tat  entdeckt der Buchhandel die designorientierten Artikel der Baden-Badener immer stärker für sich. Für eine Thalia-Filiale in Österreich hat dfp Design beispielsweise eine komplette Wandreihe mit Produkten des koreanischen Herstellers Alife eingerichtet. Alife hat sich auf Reiseaccessoires spezialisiert, etwa Smartphone-Ständer oder bunte Umschläge für den Reisepass. „Gerade durch die tollen Farben der Alife-Produkte lassen sie sich schön präsentieren und machen die Buchhandlung interessanter“, sagt Anna Grafe. Ihr Ziel ist es, den Marken der internationalen Designer in Deutschland ein noch stärkeres Gesicht zu geben und das Portfolio noch breiter in die Geschäfte zu bringen. Gerade im Buchhandel sind bislang eher einzelne Produkte gelistet.

Angesiedelt in höherem Preissegment, aber schnelldrehend

Für Buchhändler laut Anna Grafe ein weiterer Vorteil: die Marge der dfp-Artikel ist höher als beim Buch. Alle vertriebenen Produkte sind in einem gehobenen Preissegment angesiedelt. So kostet etwa die Rubbel-Weltkarte gut zwanzig Euro, der Pinocchio-Spitzer zehn Euro, die Winkequeen fünfzehn Euro. Zugleich aber seien die Produkte schnelldrehend. „In den Anfangsjahren waren sich viele Buchhändler nicht sicher, ob unsere Artikel das richtige sind“, erinnert sich Anna Grafe an Gespräche etwa auf der Frankfurter Buchmesse. Hier ist dfp Design seit Jahren im Nonbook-Areal vertreten. „Nun merken sie, dass sie richtig gut funktionieren, dennoch wünschen wir uns noch ein bisschen mehr Mut.“ dfp Design kann sich inzwischen sogar Shop-in-Shop-Lösungen im Buchhandel vorstellen. Einen besonderen Wunsch hegt Anna Grafe derweil in Sachen Portfolio: nach jahrelangem Vertrieb für kreative Designer aus aller Welt kann sie sich die Entwicklung einer eigenen dfp-Marke vorstellen.

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