Mit App und Pad ans Deck

Digitale Helferlein sind für Club-DJs zunehmend wichtige Tools. Equipment-Kernprodukt ist aber nach wie vor der Controller. Auch der semi-professionelle Bereich ist für die Hersteller wichtig.

Von Simon Colin. Erschienen im Musikmarkt am 1. November 2013.

In den Siebzigern trällerten noch Popbands wie Abba für die Monarchen ihres Landes, das frisch vermählte holländische Königspaar hatte sich dieses Jahr hingegen ein Set von DJ-Landsmann Armin van Buuren gewünscht. Elektronische Musik boomt wie lange nicht mehr, sogar die bis vor wenigen Jahren noch ziemlich R´n´B-lastigen Amerikaner zucken inzwischen zu elektronischer Tanzmusik. DJs wie Avicii oder David Guetta sind Superstars, wie zuletzt Sven Väth und Konsorten in den Neunzigern. Zwar vermeldet SOMM (Society of Music Merchants) eine Umsatzdelle für 2012 in Höhe von satten 19,3 Prozent, doch die Hersteller sprechen von einem wachsenden Markt.

Kaossilator Pro. Foto: Korg.

Kaossilator Pro. Foto: Korg.

Der DJ-Markt erreicht mehr Menschen

„Der DJ-Markt erreicht inzwischen ein viel größeres Publikum“, beobachtet Marcus Gierkens, Manager Sales/Marketing Pro SV DACH bei Pioneer. Zwar sei die DJ-Hysterie hierzulande nicht so stark ausgeprägt wie in Benelux. „Da ist DJ Berufswunsch von Kindern“, so Gierkens. Doch sorge auch in Deutschland das semi-professionelle Segment für Wachstum. Eine Zielgruppe sind die „Bedroom-DJs“, Jugendliche, die ihre ersten DJ-Versuche starten. Im professionellen Segment hingegen richtet sich Pioneer längst nicht nur an Club-DJs. Ein wichtiger Markt sind laut Marcus Gierkens etwa Berufs-DJs, die auf Hochzeiten oder Partys auflegen. Mit Blick auf Feste oder Partys spielt auch der Equipment-Verleih eine Rolle.

Im Pro-Segment legt Pioneer einen Schwerpunkt auf Equipment-Installationen im Clubbereich. „Da sind wir Marktführer“, so Gierkens. Eine wichtige Zielgruppe sind DJs im Segment Electronic Dance Music. DJs wie ATB oder David Guetta sind laut Marcus Gierkens „Pioneer-minded“ und damit wichtige Markenbotschafter. Das Nexus-System gehört nach wie vor zu den Flaggschiffen des Unternehmens. Insbesondere aber Controller dominieren den Markt, die im Verbund mit Software dem DJ immer mehr Möglichkeiten geben. Von integrierten Systemen, bei denen Hard- und Software aufeinander abgestimmt sind, spricht Johannes Krämer aus der Native Instruments-Kommunikation. Die Traktor Kontrol-Serie ist hier der Bestseller. Fünf Millionen mal hat sich seit Jahresbeginn die Traktor DJ-App verkauft, die den Jockey beim Set unterstützt. Laut Krämer ist sie die erfolgreichste DJ-App für I-Phone und I-Pad.

Nexus-Mischpult. Foto: Pioneer.

Nexus-Mischpult. Foto: Pioneer.

DJs als Selbstversorger

Denn längst vorbei sind die Zeiten, in denen zwischen den Turntables nur der Mixer stand – zumindest laut Marketingstrategie der Hersteller. Freilich legen noch immer auch namhafte DJs mit Vinyl auf und der Vinyl-Miniboom der vergangenen Jahre tut sein übriges. Doch hat sich auch in den Clubs viel geändert. DJs finden oft kein Equipment mehr vor und reisen quasi als Selbstversorger an (siehe Interview mit Robert Wong von Korg & More auf der Folgeseite). Entsprechend schrumpft auch das Equipment, selbst Pads und Smartphones gesellen sich als Musikquelle zu den noch weit verbreiteten Laptops.

Robert Wong, Produktmanager beim Equipment-Vertriebler Korg & More, beobachtet derweil einen weiteren Trend: die Performance. „Gerade das Thema Videoperformance wird von einigen Softwareherstellern schon seit einiger Zeit als mögliche Erweiterung der eigenen Darbietung angeboten.“ Er nennt den Vestax PBS-4, einen mobilen Broadcastmixer, mit dem man kurze Sendungen via Web-TV streamen kann. DJs könnten dies als Vermarktung via Internet nutzen, bis zu vier Kameraperspektiven sind einstellbar.

Neue Produkte werden unter anderem auf Workshop-Touren bei Fachhändlern vorgestellt. Native Instruments war erst kürzlich mit seinen Traktor Kontrol-Systemen in Deutschland unterwegs. Pioneer plant derweil für Frühjahr 2014 eine neue Plattform, die Marcus Gierkens als „I-Tunes für DJs“ bezeichnet. Ein Ziel von Kuvo ist die Vernetzung aller Player im Clubbereich weltweit. Clubs können hier zum Beispiel in Echtzeit ihre Playlisten veröffentlichen. Clubber, Club und DJ könnten so weltweit miteinander interagieren.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s