Auch VoD lässt den Postmann noch klingeln

Die digitalen Umsätze machen bereits ein Drittel des Video-Verleihmarkts aus. Um ihre Verbreitung zu erhöhen, bauen die VoD-Portale ihre Präsenz auf internetfähigen Endgeräten aus. Allerdings ist die Nachfrage nach physischen Discs auch online noch so stark, dass Lovefilm und auch Videobuster nach wie vor DVDs und Blu Rays auf dem Postweg verleihen.

Von Simon Colin. Erschienen im Musikmarkt.

Das beste Gesamtumsatz-Ergebnis eines ersten Halbjahres in der Geschichte des deutschen Home Entertainment-Markts konnte der Bundesverband audiovisuelle Medien vermelden: 798 Millionen Euro sind es laut der Daten von GFK Panel Services für Januar bis Juni 2013. Physische Produkte dominieren dabei weiterhin mit gut neunzig Prozent Umsatzanteil, zehn Prozent entfallen auf das Digitalgeschäft. Beim Blick auf Musik-DVDs und Blu Rays zeigt sich ein konstanter Absatz im Vergleich zu 2012 mit 1,8 Millionen Stück. Durch einen um elf Prozent gesunkenen Durchschnittspreis schrumpfte der Umsatz allerdings um acht Prozent von 26 auf 24 Millionen Euro. Auf niedrigem Niveau ist der Blu Ray-Absatz von 200.000 auf 300.000 verkaufte Stück gestiegen. Durch einen deutlichen Preisverfall von 38 Prozent sank der Umsatz aber um 22 Prozent von vier auf drei Millionen Euro.

Verleihmarkt in Bewegung

Bewegt zeigt sich nach wie vor der Verleihmarkt. Mit 51 Millionen Euro Umsatz sind TVoD (Einzelabruf) und SVoD (Abo) bereits für 34,7 Prozent aller Verleih-Umsätze verantwortlich. TVoD wuchs um 51 Prozent auf 35 Millionen Euro Umsatz und SVoD um 41 Prozent auf 16 Millionen Euro Umsatz. Entsprechend zuversichtlich zeigen sich die Anbieter. „Wir gehen davon aus, dass der Video on Demand-Markt in den nächsten Jahren eine starke Entwicklung durchlaufen und große Zuwächse erleben wird“, heißt es etwa von der Amazon-Tochter Lovefilm. Zugleich wird gesehen, dass gerade in Deutschland der VoD-Markt noch lange nicht den Verbreitungsgrad hat wie etwa in Großbritannien oder den USA.

Ob er´s wohl auch noch bringt? Foto: Stefan Bayer_pixelio.de

Ob da wohl auch Blu Rays und DVDs dabei sind? Wie auch immer: frohen Nikolaus. Foto: Stefan Bayer/pixelio.de

Lovefilm setzt auf umfassende Lizenzverträge mit den Majorstudios, um das Portalangebot weiter auszubauen. Mit Sony Pictures und Warner Bros. konnten alleine in diesem Jahr entsprechende Verträge geschlossen werden. Wichtig für die Lovefilm-Verbreitung ist zudem der Zugang der Verbraucher zum Portal über möglichst viele Endgeräte. Die Streaming-App läuft inzwischen auf Smart-TVs von Samsung und LG oder auch auf der Nintendo Wii. Auch die Telekom-Tochter Videoload sieht die Erhöhung der Reichweite auf Endgeräten als zentrales Ziel. Wie auch Lovefilm sieht Videoload zudem den Ausbau des Serienportfolios als weitere wichtige Entwicklung. Videoload arbeitet zudem an einem cloudbasierten Modell. Einen speziellen Kidsbereich möchte Watchever schaffen. Hier sollen ausschließlich Kinderserien und Kinderfilme abrufbar sein.

„Musik ist ein wichtiges Thema“

Das Segment Musik ist auf den Portalen eine Nische, die aber als relevant eingeschätzt wird. „Musik ist ein wichtiges Thema bei uns, wir haben in der Rubrik ´Filme´ ein eigenes Genre dafür“, sagt Tjorven Vahldieck aus der Watchever-Kommunikation. Als Beispiel nennt er Biografien von Beyonce oder Michael Jackson, Klassiker wie „Sid & Nancy“ und Serien wie „Flight oft the Conchords“. Ähnlich strukturiert ist das Portfolio bei Lovefilm mit Musical-Klassikern, Kultfilmen und Dokumentationen.

Doch obwohl die Anbieter für ihre VoD-Varianten trommeln, nehmen DVDs und Blu Rays über die gesamte Portalbandbreite hinweg noch einen wichtigen Stellenwert ein. Lovefilm und auch Videobuster bieten neben VoD auch noch das Verleihen von physischen Discs auf dem Postweg an. Angeboten werden verschiedene Verleihpakete, der Versand der Discs ist kostenlos. Laut Lovefilm besteht neben VoD noch eine hohe Nachfrage nach physischen Discs, daher wolle man den Kunden alle Verbreitungswege zur Verfügung stellen. Videobuster bietet zudem die Option, die DVDs und Blu Rays auch zu kaufen.

Sebastian Lukaszyk, Fach-Senior Manager Produktmarketing bei Videoload, sieht auf lange Sicht den physischen Markt dennoch schrumpfen. „Der digitale Verleih ist schon heute ein wichtiges Geschäftsmodell und beginnt die physischen Videotheken abzulösen. Der digitale Kaufmarkt ist noch in der Einführungsphase. Hier wird es die Aufgabe sein, cloudbasierte Electronic Sell-Through-Modelle zu etablieren und Vertrauen beim Kunden für dauerhafte Nutzungsrechte zu etablieren.“ Bislang habe das digitale Geschäft keinen spürbar negativen Effekt auf den physischen Kaufmarkt. Im Laufe der nächsten Jahre werde der physische Markt aber langsam schrumpfen und durch den digitalen Markt ersetzt.

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