Vom Wandermusiker zum Instrumenten-Millionär

Gut eine halbe Milliarde Euro setzt Instrumentenhändler-Primus Thomann jährlich um. Angefangen hat alles vor sechzig Jahren  im elterlichen Hof im bayerischen Mini-Örtchen Treppendorf. Ein Blick auf die Thomann-Geschichte.

Von Simon Colin. Erschienen im Musikmarkt am 30. Mai.

Idyllische kleine Ortschaften in Bayern scheinen fruchtbarer Boden zu sein für ziemlich erfolgreiche Großunternehmen. Nein, nicht Herzogenaurach ist gemeint, es geht etwas nördlicher ins noch viel kleinere Treppendorf. Das 160-Seelen-Örtchen nahe Burgebrach bei Bamberg ist Traditionssitz von Thomann, Europas wohl größtem Instrumentenhändler mit 1040 Mitarbeitern, 5,6 Millionen Kunden und einem Jahresgesamtumsatz von mehr als 500 Millionen Euro.

Thomann-Chef Hans Thomann. Foto: Musikhaus Thomann.

Thomann-Chef Hans Thomann. Foto: Musikhaus Thomann.

Das Unternehmen feiert in diesem Jahr seinen sechzigsten Geburtstag. Geleitet wird es in zweiter Generation von Hans Thomann und ist nach wie vor ein klassisches mittelständiges Familienunternehmen. „Unabhängig von Banken und Investorenentscheidungen. Immun gegen unternehmerische Modetrends wie Outsourcing und Downsizing.“ So steht es zumindest im neuen Thomann-Blog, in dem das Unternehmen Einblicke ins Innenleben gewährt und Neues mitteilt. So gibt es beispielsweise seit kurzem eine Thomann-App mit Zugriff auf das 75.000 Produkte umfassende Sortiment.

Wohnräume als Ausstellungsfläche

Gegründet hat das heutige Instrumentenhändler-Flagschiff Hans Thomann senior 1954. Der Wandermusiker beschließt zu dieser Zeit, sich mit einem Musikgeschäft sesshaft zu machen und startet damit im Thomannschen Hof in Treppendorf. Parallel hierzu beginnt er ein Trompetenstudium in Würzburg. Zunächst reist er noch viel und macht hierbei Geschäfte mit Blaskapellen und Musikern. Doch im Thomannschen Hof werden immer mehr Wohnräume zu Ausstellungsflächen für Orgeln, Gitarren und später auch Synthesizer umfunktioniert.

In den Siebzigern stößt Thomann junior dazu. „Die Musik ist mein Leben und das verbringe ich seit meinem zwölften Lebensjahr in der Firma Thomann“, sagt er heute rückblickend. Ab den Neunzigern nimmt das Unternehmenswachstum schließlich deutlich an Fahrt auf. 1992 erscheinen die ersten „Hot Deals“. 10.000 Angebotsbroschüren werden anfangs regional verschickt, inzwischen beträgt die Auflage 5,35 Millionen. Laut Thomann Europas auflagenstärkste Musikerlektüre.

1996 startet Thomann seinen Internetauftritt, als erster Musikhändler Deutschlands, wie es aus dem Unternehmen heißt. Rückblickend eine wichtige Basis für den heutigen Geschäftserfolg im E-Commerce. Ein Jahr später übernimmt Thomann Roadstar, den damals größten Versender für Musikinstrumente in Deutschland. Die Zahl der Kunden verdoppelt sich hierdurch auf 100.000. In den Folgejahren wird Thomann, noch lange vor Amazon, die Händler-Konkurrenz mit Kampfpreisen im Web das Fürchten lehren. 1999 startet dann das erste unternehmenseigene Call-Center in Treppendorf. Mittlerweile gibt es zwei: eines für Deutschland und eines für ausländische Anrufer.

Auch räumlich wächst das Unternehmen

Im Jahr 2000 druckt Thomann seine „Hot Deals“ erstmals in englischer Sprache und erzürnt damit die britischen Händler. Ein Magazin, dem die „Hot Deals“ beigelegt sind, sieht sich daraufhin einem Anzeigenboykott gegenüber und wird beinahe eingestellt. Erst seit 2006 kann Thomann wieder in einem englischen Magazin werben.

Ansonsten läuft es prächtig. 2001 wird mit „Thomann Audio Professionell“ eine eigene Abteilung gegründet, die sich um die Einrichtung von Theatern, Stadthallen, Museen oder Diskotheken kümmert. Parallel hierzu laufen bis heute die beiden weiteren Geschäftsbereiche E-Commerce und stationärer Handel. Das Thomann-Geschäft in Treppendorf ist eigenen Angaben zufolge mit 5500 Quadratmeter derzeit Europas größtes Musikhaus.

Musikhaus Thomann. Foto: Musikhaus Thomann.

Musikhaus Thomann. Foto: Musikhaus Thomann.

Gebaut wird seit einigen Jahren fleißig. 2003 etwa ein neues, 4800 Quadratmeter großes Logistik-Center, ab 2005 ein vierstöckiges Bürogebäude, ein Containerlager sowie ein großes Versorgungslager. 2013 eröffnet in Treppendorf schließlich das mit 5000 Quadratmeter „weltweit größte Service-Zentrum für Musikinstrumente und –equipment“ mit Werkstätten, Prüflaboren, Ersatzteillager und Schulungsräumen. Bald soll eine eigene Cafeteria folgen.

Die seit Jahren klare Dominanz von Thomann im Versandhandel für Musikinstrumente wird 2010 auch mit der Auszeichnung als Versender des Jahres durch den Bundesverband des deutschen Versandhandels deutlich. 2011 folgt die Wahl als Europas bester Onlineshop im Rahmen des europäischen Wettbewerbs „E-Commerce Summit“. 2013 erhält Thomann den Deutschen Handelspreis in der Kategorie „Managementleistung Mittelstand“.

Mehr Informationen:

www.thomann.de

www.facebook.com/musikhausthomann

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Eine Antwort zu “Vom Wandermusiker zum Instrumenten-Millionär

  1. Danke für diese informative und zugleich motivierende Geschichte.

    Was mich an Herrn Thomann sehr beeidruckt, dass er trotz seines Erfolges „bodenständig“ geblieben ist. So hat er sich z.B. persönlich einmal um die Anfrage von mir bzgl. einer Kooperation von einem StartUp (www.meineMusikschule.net) von mir bemüht. Einfach nur vorbildlich!

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