Live-Detektive auf der Waldbühne

„Phonophobia – Sinfonie der Angst“ heißt die aktuelle Tour der drei Fragezeichen. Nach dem Final-Event am 9. August in Berlin werden 160.000 Fans die 24 ausverkauften Live-Hörspiele gesehen haben. Kurz vor dem großen Showdown sprach der Musikmarkt mit den Machen des Audio-Events.

Von Simon Colin. Erschienen im Musikmarkt am 1. August.

Die drei Fragezeichen und Superlative gehen ja oft Hand in Hand. Gut 45 Millionen Hörspiele hat Europa in den vergangenen 35 Jahren verkauft. Damit gelten die Fragezeichen als erfolgreichste deutsche Hörspielserie. Die Zahl der verkauften Bücher summiert sich auf knapp 20 Millionen seit 1964. Die aktuelle Tournee „Phonophobia – Sinfonie der Angst“ ist mit 160.000 Zuschauern in 24 Shows die bislang erfolgreichste Live-Hörspiel-Reise der scheinbar ewig jungen Jungdetektiv-Sprecher Oliver Rohrbeck, Andreas Fröhlich und Jens Wawrczeck. Zum Vergleich: 100.000 Zuschauer besuchten die 2009er Tour „Die drei Fragezeichen und der seltsame Wecker – Live & Ticking“, 76.000 Fans kauften Tickets für die „Master of Chess“-Tourneen 2002 und 2003, die sich damals noch über 60 Shows erstreckten.

„Sehr charmantes und sympathisches Phänomen“

Als „sehr charmantes und sympathisches Phänomen“ bezeichnet Phonophobia-Regisseur Kai Schwind den anhaltenden Hype um die drei Fragezeichen. Mit den Sprechern und einem gut 50 Personen umfassenden Team bereitet er gerade den Abschluss der Tournee vor, die im März und April vor ausverkauften Häusern durch Deutschland zog. Am 9. August steht nun in der Waldbühne das große Finale an. „Die Fans wollen sich und ihre Kindheit feiern, und natürlich ihre ständigen Begleiter seit 35 Jahren“, definiert er die Fragezeichen-Anziehungskraft. „Gleichzeitig finde ich es wichtig, dass man sowohl mit dem Phänomen als auch dem eigenen Nostalgie-Bedürfnis etwas selbst-ironisch umgeht. Man muss die Figuren, die Geschichten und vor allem eben dieses merkwürdige Phänomen der Live-Shows mit einem entspannten Augenzwinkern angehen.“

Die drei Fragezeichen: Andreas Fröhlich, Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck. Foto: Lutz Rohrbeck.

Die drei Fragezeichen: Andreas Fröhlich, Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck. Foto: Lutz Rohrbeck.

Möglicherweise ist genau diese Einstellung eines der Erfolgsgeheimnisse. Auf You tube kursieren bereits Phonophobia-Clips, in denen man die drei Sprecher bei einer inszeniert komischen Tanzeinlage sieht und auch darüber hinaus hört und sieht man den Sprechern ihre Sprech- und Spiellust nach wie vor an. „Die Chemie zwischen den drei Jungs, und deshalb kommen wohl die meisten Zuschauer, ist nicht untergegangen“, beobachtet Kai Schwind.

Musik ist aktiver Bestandteil der Geschichte

Die Vorbereitungen, Proben und der Startschuss der Phonophobia-Tour seien anstrengend gewesen, berichtet der Fragezeichen-Regisseur. 16 Stunden habe man teilweise am Stück gearbeitet. Doch das Zusammenspiel von Geschichte, Musik und Bühnentechnik hätten sehr gut funktioniert. „Das Spannende diesmal war, dass wir die Geschichte mehrmals fast vollständig neu entworfen haben“, erinnert sich Kai Schwind. „Gewisse Grundmotive standen natürlich fest, aber es war interessant zu sehen, wie viele verschiedene Ansätze man wählen kann, so lange, bis es sich für die Bühne wirklich rund anfühlt.“

Die Musik spielt in „Phonophobia“ eine zentrale Rolle. „Das liegt in erster Linie am Motiv der Snyästhesie in unserer Geschichte“, erläutert Kai Schwind. „Es geht um die Manipulation der Sinne durch Klänge und Musik. Somit ist Musik zum ersten Mal ein aktiver Bestandteil der Geschichte.“ Wie auch schon bei der Vorgänger-Tour zeichnen Tilman Ehrhorn und Jan-Peter Pflug verantwortlich für die Kompositionen. Live auf der Bühne spielen die Musiker Maria Todtenhaupt und Dirk Wilhelm.

Kopfkino erhalten

Veranstalter der Tour ist wie auch bei der Vorgänger-Tour MTS Live. Bucardo stand als örtlicher Ausrichter bei einem Drittel der Veranstaltungen zur Seite und ist wirtschaftlicher Kooperationspartner von MTS Live. Laut MTS-Geschäftsführer Hans Stratmann habe die riesige Nachfrage nach der Phonophobia-Tournee die hochgesteckten Erwartungen nach der 2009er-Tour übertroffen. „Die durchweg positive Publikumsresonanz bestätigt uns darin, dass es richtig war, gegenüber der letzten Tournee die technische Präsentation auf der Bühne noch einmal auszubauen, ohne dadurch das für ein Livehörspiel so wichtige Kopfkino zu zerstören.“

Die drei Fragezeichen. Foto: Europa

Die drei Fragezeichen. Foto: Europa

Unterschiede zu einer Musik-Tour gibt es Hans Stratmann zufolge auf den ersten Blick wenige, auf den zweiten Blick jedoch einige. „Bei der Visualisierung der Show müssen wir aufpassen, dass wir den eigentlichen Kern, das Zuhören, nicht durch den Einsatz von Technik erschlagen. Das heißt, wir unterliegen besonderen Herausforderungen bei der akustischen und visuellen Umsetzung des Themas.“ Weiterer wesentlicher Unterschied zu einer Musik-Tour: dort übernimmt der Tourneeveranstalter in der Regel ein inhaltlich fertiges Produkt, so Hans Stratmann. „Hier sind wir sehr viel früher in die Bühnenproduktion eingebunden und erarbeiten mit Autoren, Regie und Künstlern die optimale Umsetzung. Das ist ein Prozess von weit über einem Jahr.“

USB-Sticks im Kassetten-Look

In Sachen Marketing ist Europa direkt in die Zielgruppe hinein gegangen. So gab es in den CD- und MC-Covern der Hörspiele Hinweise auf die Tour-Termine, zudem wurden diese über Facebook gestreut. „Die Facebook-Seite hat 160.000 Fans, was ziemlich genau der Menge an Zuschauern entspricht, die die Tour auch live gesehen haben“, sagt Corinna Wodrich, Fragezeichen-Produktmanagerin bei Europa. Eine große Rolle spielt ihr zufolge Merchandise, da die Fans der drei Fragezeichen sehr Merchandise-affin und auch kaufkräftig seien. „Deswegen haben wir für die Tour ein möglichst vielseitiges Sortiment an Merchandise-Artikeln erstellt“, sagt Corinna Wodrich. Ein Höhepunkt: USB-Sticks im Kassetten-Design, auf die die aktuelle Show gespielt wird und die Fans noch am Abend des Events mitnehmen können. Aufgenommen und verkauft werden sie von der Bleecker Street Entertainment GmbH mit Sitz in Köln.

Phonophobia-Tour live. Foto: Europa.

Phonophobia-Tour live. Foto: Europa.

Bei einem der Kölner Tourtermine wurde die Show zudem von RTL/Endemol aufgezeichnet und wird voraussichtlich im Herbst ausgestrahlt. Zur Tour wird es auch eine DVD und Blu Ray geben mit Outtakes und Making of. Während das große Phonophobia-Finale nun unmittelbar bevorsteht, gehen die Projekte rund um die drei Fragezeichen weiter. Im Planetarium Hamburg startete Anfang Juli eine dreiteilige Hörspielreihe mit 3D-Rundum-Sound. Noch bis Ende September läuft hier „Die drei Fragezeichen und das Grab der Inka-Mumie“. Weitere 3D-Hörspiele starten Anfang Oktober und im Januar 2015. Alle drei Hörspiele werden 2015 auch bei Europa erscheinen und sollen sich durch besonders viel Klangatmosphäre auszeichnen.

Und wir wird es insgesamt mit den drei Fragezeichen als Hörspielhelden weitergehen? „Oh ja, irgendwann wird Schluss sein, auch Justus, Bob und Peter haben ein Verfallsdatum, aber der Zeitpunkt des Abdankens ist ungewiss“, sagt Jens Wawrczeck, die Stimme von Peter Shaw. Allerdings deutet er an, dass anders gelagerte Projekte miteinander auch auf lange Sicht denkbar sind. „Mit Andreas Fröhlich habe ich ja bereits das Duett ´Worte, nur Worte´ aufgenommen und zurzeit plane ich eine reine Gesangs-CD mit Filmsongs“.

Doppel-Jubiläum

2014 feiern die drei Fragezeichen ein Doppeljubiläum. Vor 50 Jahren erschien in den USA das erste Buch der Jungdetektive. Vor 35 Jahren startete Europa mit dem ersten Hörspiel: am 12. Oktober 1979 wurde der erste Audio-Fall veröffentlicht, bereits damals mit den Sprechern Oliver Rohrbeck (49), Andreas Fröhlich (49) und Jens Wawrczeck (51). Ende August erscheint Folge 170, insgesamt wurden bislang gut 45 Millionen Hörspiele verkauft. Die drei Fragezeichen sind laut Europa die erfolgreichste Hörspielserie Deutschlands. Regelmäßig sind gleich mehrere Hörspiele in den Top Ten der Hörspiel-Charts von Amazon oder iTunes vertreten und die Neuheiten fast immer auf der Pole Position. Produziert werden die Stücke übrigens nach wie vor von Europa-Legende Heikedine Körting (69). Seit 2009 veröffentlicht Europa zudem zwei Fragezeichen-Spin offs: Die drei Fragezeichen Kids für die ganz Jungen und Die drei Ausrufezeichen über ein weibliches Detektiv-Trio.

Mehr Informationen:

  1. bleecker-street.de
  2. dreifragezeichen.de
  3. facebook.com/DiedreiFragezeichen
  4. mts-live.com
  5. planetarium-hamburg.de
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