Rundum-Erlebnis für die Familie

Musicals für Kinder sind immer auch Family Entertainment. Programmentwicklern wie Veranstaltern ist deswegen ein Ambiente wichtig, in dem sich alle Generationen angesprochen fühlen. So haben sich Yakari, Prinzessin Lillifee oder Bibi Blocksberg zu Dauerbrennern entwickelt.

Von Simon Colin. Erschienen im Branchenmagazin Musikmarkt.

Kinderhelden wie Yakari, Prinzessin Lillifee oder Conni sind mit ihren Geschichten und Abenteuern längst nicht mehr nur in Kinderzimmern daheim, sondern als harte Musical-Wanderarbeiter auch auf deutschen Bühnen. Seit vielen Jahren touren die musikalisch aufgeladenen Erfolgsmarken durch Hallen und Arenen, und der Markt scheint noch längst nicht gesättigt zu sein. Die Yakari-Tour haben bislang zum Beispiel mehr als 120.000 Menschen gesehen. „Von der Lanxess-Arena in Köln und der O2 World in Hamburg wurden wir als erstes deutsches Unternehmen in diesem Segment mit Sold out-Awards ausgezeichnet für 6.500 beziehungsweise 4.500 Tickets“, sagt Guido Illigen, Leiter Marketing & PR bei Dreamcatcher Live Entertainment. 74 Shows wurden seit 2013 gespielt, in der Regel werden tausend bis 3.000 Besucher pro Auftritt erreicht.

Yakari-Musical. Foto: Dreamcatcher Live Entertainment.

Yakari-Musical. Foto: Dreamcatcher Live Entertainment.

Bibi knackt die Million

Auch bei Cocomico zeigt man sich zufrieden. Die Kölner Theaterproduktion hat Conni, Benjamin Blümchen oder Bibi Blocksberg auf Tour geschickt. Seit elf Jahren zum Beispiel Hexe Bibi, die hierbei fast 900.000 Menschen erreicht hat. Im Mai 2015 startet mit „Hexen hexen überall“ das neue Musical. „Zum 35-jährigen Jubiläum der Figur Bibi Blocksberg werden wir in eine dreijährige Tournee starten, die sowohl die kleinen, mittleren und großen Bühnen als auch Arenen bespielen wird“, sagt Cocomico-Geschäftsführer Marcell Gödde. Geplant sind mehr als 200 Auftritte mit mehr als 200.000 Besuchern. „Auf der Tournee werden wir den Ein-Millionsten Zuschauer der Bibi-Tournee begrüßen können“, so Marcell Gödde.

Das Cocomico-Musical Conni war auch in der O2 World Hamburg zu Gast. 7.000 Zuschauer waren zu drei Shows geströmt, „die Uraufführung war dabei mit 3.000 Zuschauern in der Theatervariante ausverkauft“, sagt Kai Müller, Senior Event Manager/Programm Coordinator in der O2 World Hamburg. Hierfür gab es den Sold out-Award. Wie auch für Yakari, der im November 2013 gut 4.500 Besucher nach Hamburg zog. „Nie zuvor spielte ein Kindermusical in der O2 World Hamburg vor so vielen Zuschauern“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Lieblingsfiguren live erleben

Doch warum sind die Kidshelden live so erfolgreich? „Unser Publikum, ob groß oder klein, sucht sich Vorbilder, hat Lieblingsfiguren aus Büchern, Filmen oder Hörspielen. Wenn sie diese auf einmal live erleben können und sie direkt vor ihnen stehen, ist das ein besonderes Erlebnis“, erklärt es sich Maik Klokow, Produzent und Geschäftsführer von Mehr-Entertainment. Dort hat man sich die Lizenz für „Shrek, das Musical“ gesichert, das ab Oktober im Capitol Theater Düsseldorf spielt und ab Februar 2015 in Zürich gastiert.

Shrek-Musical. Foto: Mehr! Entertainment.

Shrek-Musical. Foto: Mehr! Entertainment.

Das inhaltlich Besondere: „Shrek ist in erster Linie ein Musical für Erwachsene, das durch seine Zweideutigkeiten, seine Komik sowie Musik gewinnt“, erläutert Maik Klokow. „Aber natürlich haben auch Kinder ihren Spaß. Und genau da liegt die Herausforderung: wir müssen es schaffen, ein perfektes Rundum-Erlebnis für den Familienausflug, aber auch für den Pärchenabend zu kreieren.“ Vor dieser Herausforderung stehen auch viele andere Anbieter in diesem Segment: die Kinder als meist wichtigste Zielgruppe erreichen, aber eben insbesondere auch die Eltern. Und zwar nicht nur als Ticketkäufer, sondern als Erwachsene, die meist ebenfalls mit den Figuren groß geworden sind und in Nostalgie schwelgen können. Bei den Cocomico-Tourneen machen Erwachsene bereits einen Publikumsanteil von mehr als fünfzig Prozent aus.

Familiärer Umgang mit Besuchern

Entsprechend wichtig ist allen Anbietern ein familienfreundliches Ambiente. „Wir gehen sehr familiär mit den Besuchern um“, beschreibt Kai Müller. „Wir bieten ein buntes Rahmenprogramm mit Kinderschminken, Gewinnspielen und anderen kleinen und großen Highlights. Was bei einem an Kinder gerichteten Event hinzukommt, sind Kleinigkeiten, wie das Auge, das zugedrückt wird, wenn der kleine Tim noch seine Brotbüchse im Rucksack hat.“

Prinzessin Lillifee-Musical. Foto: Mediacab.

Prinzessin Lillifee-Musical. Foto: Mediacab.

Mediacab-Geschäftsführer Markus Löhr betont die Wichtigkeit der Inhalte und der Einbeziehung des Publikums. Mediacab hat Prinzessin Lillifee auf Popmusical-Tour geschickt, zuletzt auf eine verwunschene Insel. „Die Geschichte muss so inszeniert werden, dass man staunen und träumen kann, und mitmachen“, sagt Markus Löhr. Bei der ersten Produktion „Prinzessin Lillifee und der Zauber der Rose“ im Jahr 2007 wurden bunte Stoffbänder verteilt, aus denen die Kinder schleifen binden konnten. „Diese wurden in der Pause von einem Darsteller im Foyer eingesammelt und tauchten im zweiten Teil der Show als Dekoration auf Lillifees Ballkleid auf“, beschreibt Markus Löhr. „So aufwändig die Aktion auch war, den Kindern hat es viel Freude bereitet, da sie das Gefühl hatten, Lillifee zu helfen. Sie waren Teil der Geschichte.“

Er hat die Erfahrung gemacht, dass auch leise und nachdenkliche Töne und ruhig erzählte Szenen Kinder über Stunden in ihren Bann ziehen können. „In dieser Hinsicht gibt es sehr große Unterschiede zwischen den einzelnen Kindermusicals“, so Markus Löhr. „Wir hatten mit Prinzessin Lillifee und der Zauber der Rose 2007 ein neues Genre der Familienunterhaltung etabliert: eine Mischung aus Musical, Popkonzert und Sprechtheater, dazu eine aufwändige Bühnen-Show mit einer starken, durchaus anspruchsvollen Geschichte.“

Eine Lillifee-Besonderheit sei, dass man seit 2006 in Zusammenarbeit mit der ZAV-Künstlervermittlung ein Musical-Ensemble aufgebaut habe, das im Laufe von sieben Tourneen im Kern beieinander geblieben sei. Dies wirke sich auf Engagement und Spielfreude aus und lasse den Funken ins Publikum überspringen. Ganz gezielt haben auch die Yakari-Macher ihre Darsteller ausgesucht. „Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Werte wie Mut, Freundschaft und Toleranz, die wir auf der Bühne vermitteln“, sagt Guido Illigen. „Deshalb war uns bereits beim Casting wichtig, dass sich die Darsteller auch mit ihren Rollen identifizieren und die Werte der Geschichte authentisch und glaubhaft vermitteln.“

VIP-Pakete und Statistenrollen

Doch auch die Location muss passen. Für Markus Löhr ist es dann der Fall, wenn sie trotz einer recht großen Anzahl an Plätzen eine gewisse Intimität für die Zuschauer bietet. „Dass die Kinder sich auch in den hinteren Reihen nah am Geschehen und direkt angesprochen fühlen. Hallen mit maximal 2.000 Plätzen waren für Lillifee am Besten geeignet“, so Markus Löhr. Sanft anfallende Sitzreihen werden von vielen Musicalmachern bevorzugt, Marcell Gödde lobt Veranstalter, die auch an Sitzerhöhungen für die ganz Kleinen denken.

Bei Yakari erhalten alle verkleideten Kinder beim Einlass ein kleines Geschenk. Zudem werden VIP-Pakete mit Backstage-Führung und Kennenlernen der Darsteller angeboten. Dazu gibt es Tourmagazine, Plakate und handsignierte Yakari-CDs. In Kooperation mit Medienpartnern werden Statistenrollen für Kinder angeboten. Begleitet werden die Gewinner von Berichterstattern und Kamerateams. Darüber hinaus veranstalten die Yakari-Macher Kinderpressekonferenzen und richten sich mit Mal- und Bastelwettbewerben an Kindergärten und Schulen.

Die O2 World Hamburg erreicht die Zielgruppe unter anderem mit Crosspromotion-Aktionen. Partner ist hier Rewe, die Veranstaltungen werden in Prospekten, auf Postern und Flyern sowie im Instore-Radio beworben. Zu gewinnen gibt es hierbei unter anderem Statistenrollen. Für Conni wurden laut Kai Müller Ausmalbilder an 400 Hamburger Kitas versendet, auf denen das Musical beworben wurde. Diese Malbilder lagen auch in den norddeutschen Thalia-Buchhandlungen aus.

„Für uns sind Kindermusicals zusätzlicher Content und ein neues Format“, bilanziert Kai Müller. „Der Erfolg ist für uns ein wichtiges Argument in Richtung Fortsetzung solcher Events.“ Auch bei Cocomico zeigt man sich zuversichtlich. Karl-Heinz March, weiterer Cocomico-Geschäftsführer: „Unsere Tourneeauslastung liegt bei den Top-Lizenzen wie Conni oder Bibi Blocksberg bei weit über neunzig Prozent. Käpt´n Blaubär kommt ja erst noch, aber auch da sind wir sehr optimistisch.“

Mehr Informationen:

www.cocomico.de

www.mehr.de

www.prinzessin-lillifee-live.de

www.yakari-musical.de

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