„Hörbücher werden nicht günstiger, aber auch nicht teurer“

Der Mehrwertsteuersatz für Hörbücher liegt seit Jahresanfang bei sieben Prozent. Die Verlage sehen allerdings eher wenig Spielraum für sinkende Preise. Umsatzgarant bleibt die CD, die Branche vermeldet einen erneuten Absatzrekord, auch wenn der Umsatz stagniert.

Von Simon Colin. Erschienen im Branchenmagazin Musikmarkt am 6. März 2015.

Ein leichtes Minus im deutschen Markt, starke Verluste in Österreich und der Schweiz. Das ist die Umsatzbilanz 2014 für Hörbücher im deutschsprachigen Raum. Laut Branchen-Monitor-Buch des Börsenvereins des deutschen Buchhandels ist der Hörbuch-Markt in Österreich (minus 9,1%) und in der Schweiz (minus 11,9%) im vergangenen Jahr deutlich geschrumpft, in Deutschland ergibt sich mit minus 1,4% nur ein leichter Rückgang. Der Hörbuch-Absatz hingegen ist hierzulande erneut gestiegen: mehr als 14 Millionen physische Hörbücher wurden 2014 verkauft. Damit verzeichnet die Branche nach 2013 einen weiteren Verkaufsrekord.

Verlust von Verkaufsflächen

Hörbücher sind ein Schwerpunkt auf der Leipziger Buchmesse. Foto: Leipziger Buchmesse.

Hörbücher sind ein Schwerpunkt auf der Leipziger Buchmesse. Foto: Leipziger Buchmesse.

Doch wie passt das zusammen? Der Durchschnittspreis für Hörbücher ist laut Hörverlag-Sprecherin Heike Völker-Sieber leicht gesunken. Amadeus Gerlach, Geschäftsführer des Audio Verlags, benennt weitere Gründe für das Umsatz-Minus trotz Rekordabsatz. „2014 hat der Hörbuchmarkt stagniert. Das liegt insbesondere an der starken Reduktion von Verkaufsflächen, die leider noch kein Ende gefunden hat. In 2014 hat Weltbild Insolvenz angemeldet, es erschien nur noch ein Bruchteil der Kataloge, hunderte von Filialen wurden und werden noch geschlossen, der Bertelsmann-Buchclub verabschiedet sich demnächst, namhafte Filialisten schließen Geschäfte. All das ist wenig erfreulich.“ Andererseits behaupteten sich gerade kleine und mittlere Buchhandlungen durch ihre Beratungskompetenz. „Deren Umsätze sind stabil oder wachsen“, sagt Amadeus Gerlach. „Es freut uns sehr, dass die Pflege des kleinen und mittleren Sortiments offenbar Früchte trägt.“

Hörspiele von Mehrwertsteuer-Senkung ausgenommen

Grundsätzlich positiv bewerten die Verlage die Reduzierung der Mehrwertsteuer für Hörbücher auf sieben Prozent seit diesem Jahr. Allerdings gilt der reduzierte Satz nach wie vor nicht für Hörspiele, nicht für Downloads und auch nur für Hörbücher, die eine klassische Lesung sind, also quasi pur vorgelesen werden. „Dennoch – und das ist der Quantensprung und der Abschluss einer jahrelang geführten Diskussion – ermöglicht sie uns in der Kalkulation zukünftig mehr Spielräume, vor allem bei kleineren Auflagen und aufwendigeren Produktionen“, betont Hörbuch Hamburg-Sprecherin Ines Hansla.

Autoren, Verlage und Händler könnten nun von einer höheren Wertschöpfung profitieren, für Käufer seien niedrigere Verkaufspreise möglich. Zurückhaltender ist in diesem Punkt Heike Völker-Sieber. „Die reduzierte Mehrwertsteuer für Lesungen verschafft den Verlagen nun etwas Luft. Das ermöglicht ihnen, manche Produktionen überhaupt erst zu realisieren und noch mehr in Umfang, Ausstattung und Besetzung zu investieren. Die Endkunden profitieren also von einem noch breiteren Angebot und noch höherer Qualität.“

Auch Amadeus Gerlach geht nicht davon aus, dass nun der Verkaufspreis für Audio Books sinkt. „Unsere Hörbücher werden nicht günstiger, aber auch nicht teurer. Da mit 90% der Hörbuchtitel ohnehin kein Geld verdient wird, gibt es keinen vernünftigen Grund, Preise abzusenken.“ Unisono bedauern die Verlage, dass die besonders aufwendig produzierten Hörspiele von der Senkung der Mehrwertsteuer ausgenommen sind.

Thalia startet Hörbuch-Abo

Im digitalen Markt wächst das Hörbuch-Abo-Angebot derweil langsam, aber stetig. Kürzlich startete Thalia im Web mit einem Abo-Dienst in Höhe von zehn Euro pro Monat für ein Hörbuch und geht damit in direkte Konkurrenz zum bisherigen Platzhirschen, der Amazon-Tochter Audible. Thalia gehört zum so genannten Tolino-Verbund, dem auch Weltbild, Hugendubel, der Club Bertelsmann und Technik-Partner Telekom angehören. Unter dem Namen Tolino erschienen bislang überwiegend E-Reader.

Trotz eines wachsenden Digitalmarkts liegt der Fokus vieler Verlage aber immer noch auf der CD. „Um ein Hörbuch zu hören, braucht man Zeit und Konzentration. Dafür ist die CD das geeignete Medium“, sagt Amadeus Gerlach. Gleichwohl verschwimmen die Grenzen zwischen den Medien, wie Heike Völker-Sieber beobachtet. Doch sie ist sich sicher: „Das Bedürfnis an gut erzählten Geschichten, egal in welcher Darreichungsform, wird bleiben.“

Mehr Informationen:

www.leipziger-buchmesse.de

www.tolino.de

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