„Kindermusik wird nie alt“

Rolf Zuckowski, Volker Rosin, Detlev Jöcker und Reinhard Horn zählen zu den Stars unter den Kinderliedermachern. Neben den Kleinsten sind besonders die Eltern als Käufer von CDs und Tourtickets eine wichtige Zielgruppe. Deswegen sind die Künstler daran interessiert, mit ihrer Musik generationenübergreifend zu unterhalten.

Von Simon Colin. Erschienen im Branchenmagazin Musikmarkt am 2. April 2015.

Deutschlands Kinderliedermacher sind Millionenseller. Zwar finden sich die Alben von Rolf Zuckowski, Detlev Jöcker, Volker Rosin & Co. so gut wie nicht auf den Spitzenpositionen der Charts wieder, dafür verkaufen sich die Tonträger seit Generationen immer wieder aufs Neue. In 35 Jahren hat alleine Rolf Zuckowski in Deutschland fast vierzehn Millionen Tonträger verkauft, nur Phil Collins, Peter Maffay und allen voran Herbert Grönemeyer konnten mehr Einheiten absetzen. Vergleichbar lange im Geschäft dabei ist Detlev Jöcker, der bislang zwölf Millionen Tonträger verkauft hat und zusätzlich vier Millionen Bücher.

Treues Publikum

„Anders als bei der Popmusik ist die Backlist im Kindersegment immer verkaufsaktiv, vorausgesetzt, die Themen und die Art der Produktion wurden relativ zeitlos gestaltet“, erklärt sich Detlev Jöcker das Longseller-Phänomen. Volker Rosin, der Dritte im Bunde der Kindermusik-Multiseller mit bislang fünf Millionen abgesetzten Tonträgern, bemerkt „eine sehr langlebige Treue des Publikums“. Zugleich kommt praktisch fortlaufend eine neue Zielgruppe hinzu. „Kindermusik wird also nie alt“, so Volker Rosin.

Nennt sich auch "König der Kinderdisco": Volker Rosin. Foto: Universal.

Nennt sich auch „König der Kinderdisco“: Volker Rosin. Foto: Universal Music.

Rolf Zuckowski empfindet die Charakterisierung seiner Musik als Kindermusik als zu einengend. „Bei meinen Kompositionen höre ich stets in mich hinein und schaue, wie ich damit glücklich bin“, sagt er. So sei auch sein in den Hitparaden besonders erfolgreicher Song „Du da im Radio“ Anfang der Achtziger Ausdruck dieses Prozesses gewesen und nicht gezielt als Kindersong entstanden. Gleichwohl stimmt er zu, dass seine Musik Kinder besonders anspricht, aber eben nicht nur. „Die Besten erreichen immer auch die Eltern, weil sie diese mit ihrer Musik anregen und berühren. Ich höre immer wieder von Erwachsenen, dass sie meine Musik noch einmal entdeckt haben und die Texte nun neu verstehen.“

Bent Schönemann, Head of Music & New Business Family Entertainment bei Sony Music, bemerkt in diesem Punkt gerade in der Wahrnehmung der Eltern ein Umdenken. „Die Eltern, die sich mit dem Thema ´Musik für Kinder´ beschäftigen, wollen mitmachen, mithören, mit entdecken, mit genießen. Es gilt demzufolge, Künstler und deren Musik zu etablieren, die der ganzen Familie gefallen.“

Gehört zu den jungen Wilden unter den Kinderliedermachern: herr h. Foto: Europa/Sony Music.

Gehört zu den jungen Wilden unter den Kinderliedermachern: herr h. Foto: Europa/Sony Music.

Doch nicht nur auf Seiten der Konsumenten spielt die Mehrgenerationenfrage eine Rolle, auch unter den Musikern haben sich inzwischen mehrere Generationen etabliert. „Neue deutsche Kindermusik“ nennt Simon Horn alias „herr H“ seine Musik. Der Sohn von Kinderliedermacher Reinhard Horn startete 2013 mit seiner ersten CD und veröffentlicht im Mai mit „Mach mal lauter“ sein drittes Album bei Europa. Gemeinsam mit Bands wie „Donikkl“ und Künstlern wie „Frank und seine Freunde“ oder „Deine Freunde“ gehört er zu einer neuen Riege von Kindermusikern, die in den vergangenen Jahren am Markt Fuß fassen konnten.

Kindermusiker als Marken

„Das musikalische Spektrum ist vielseitiger geworden“, ordnet Reinhard Horn die Entwicklung ein, der ebenfalls seit Jahrzehnten im Geschäft ist und gut zwei Millionen Tonträger verkauft hat. „Neben den klassischen Kinderliedern gibt es Einflüsse aus Rock, Pop, Hip Hop, Elektro und vielen weiteren zeitgemäßen Stilrichtungen.“ Die Themen der Kinderlieder drehten sich zwar nach wie vor um Aspekte wie Freundschaft, Familie oder Tiere. „Es sind aber auch neue Themen eingeflossen, etwa das Smartphone“, so Reinhard Horn.

Imagebildung und damit Unterscheidbarkeit ist für die Künstler besonders wichtig. „Man braucht für einen Erfolg als Kindermusiker ein unverwechselbares musikalisches Gesicht und Konzept“, sagt Detlev Jöcker. Lieder für die Kleinsten sind sein Steckenpferd, Volker Rosin hat sich in den vergangenen Jahren zum „König der Kinderdisco“ gekrönt. Mit seinem neuen Album „Der blaue Hund will tanzen“ wagt er sich nun allerdings auf neues stilistisches Terrain: Jazz und Swing. „Als Kinderliedermacher empfinde ich es als meinen Bildungsauftrag, Kinder an unterschiedliche musikalische Stile heranzuführen.“ Mit seinem neuen Album möchte er ihnen einen unbefangenen Zugang zum Jazz ermöglichen. „Eine Musik, die zeitlos ist und Spaß macht, mit der Kinder in der heutigen Zeit kaum oder gar nicht in Berührung kommen.“

Gilt als der erfolgreichste Kinderliedermacher: Rolf Zuckowski. Foto: M. Gamper.

Gilt als der erfolgreichste Kinderliedermacher: Rolf Zuckowski. Foto: M. Gamper.

Viele der Kinderliedermacher-Alben folgen einem Konzept und sind zudem abgestimmt auf einen jahreszeitlichen Anlass. „Ach du meine Tüte“ heißt die aktuelle CD von Rolf Zuckowski, die Kindergartenkids kurz vor Schulstart und auch deren Eltern ansprechen soll. Entsprechend erscheint die CD zu einem Zeitpunkt, an dem die Zielgruppe langsam überlegt, was denn so in die Schultüte kommen soll. Darüber hinaus sind Rolf Zuckowski zufolge das Frühjahr generell aber auch die Adventszeit Phasen, in denen die Nachfrage nach seinem Repertoire steigt. Auch zu Anlässen wie Geburtstagen oder gar Hochzeiten würden seine Tonträger gekauft. „Kindergärten und Chöre sind weitere wichtige Zielgruppen“, so Rolf Zuckowski.

Die CD dominiert

„Mit einem Umsatzanteil von deutlich über 80 Prozent ist die CD nach wie vor das umsatzstärkste Format in diesem Segment“, erläutert Andreas Maaß, General Manager Universal Music Family Entertainment, hier erscheinen mit Zuckowski, Jöcker und Rosin die Größen des Genres. „Downloads und Streams gewinnen jedoch stetig an Bedeutung, ohne aber das physische Produkt zu verdrängen“, so Andreas Maaß. Auch die Musiker sind noch stark der CD verhaftet. „Solange es geht, sollen Kinder und Eltern eine CD in der Hand haben, auch, weil es uns wichtig ist, ansprechende Booklets zu produzieren“, sagt Rolf Zuckowski. Gleichwohl sieht er gerade im Bereich Streaming Potenzial.

„Spotify bietet die große Chance, wahrgenommen zu werden. Da ich nicht mehr auf Tournee gehe und kaum mehr im Fernsehen auftrete, ist das besonders wichtig. Mein Repertoire ist nun sogar weltweit präsent.“ Mindestens einmal pro Monat ändert er seine Spotify-Playlist „Rolf Zuckowski – Meine Jahresuhr steht niemals still“ und passt sie dabei speziellen jahreszeitlichen Anlässen an. Laut Bent Schönemann wird Streaming in absehbarer Zeit im Kinderentertainment-Segment an Bedeutung gewinnen. „Weil die Vielfältigkeit an meist mobilen, streaming-fähigen Endgeräten auch für Kinder zunehmen wird. Streaming-Angebote werden mittelfristig die haptische CD nicht vollständig eliminieren, aber einen deutlichen Teil des Downloadgeschäfts substituieren.“

Reinhard Horn. Foto: Universal.

Reinhard Horn. Foto: Universal Music.

Weiterer wichtiger Kanal für die Kinderliedermacher ist Social Media. Auf Facebook ist Volker Rosin mit mehr als 12.000 Likes der beliebteste Kinderliedermacher, gefolgt von Rolf Zuckowski und Detlev Jöcker mit gut 11.000 erhobenen Daumen. Doch sind es besonders die Tourneen, auf denen die Künstler Kontakt mit ihren Fans halten. Insbesondere mit den Kindern, denn alle anderen Kanäle richten sich überwiegend an die Erwachsenen als Käufer. Mit 200 beziehungsweise 150 Auftritten pro Jahr sind herr H und Volker Rosin besonders aktiv. 750.000 Kinder sollen in den vergangenen zehn Jahren Rosin-Konzerte gesehen haben. Reinhard Horn kommt auf 80 Konzerte pro Jahr, Detlev Jöcker auf vierzig. Allerdings hat er die Taktung bewusst gesenkt, um neue Projekte zu entwickeln.

Wichtig für die Musiker ist zudem die Präsenz in TV und Radio. Volker Rosin hat gemeinsam mit dem Kinderkanal das Format „Kika Tanzalarm“ entwickelt, Detlev Jöcker „Tamusiland“ mit Super RTL, Reinhard Horn hat zwei Sendungen auf Radio Teddy. Der Sender gehört deutschlandweit zu den wenigen, die die Songs der Kinderliedermacher spielen. Rolf Zuckowski hebt zudem Antenne Brandenburg, Kiraka und die Studiowelle des Saarländischen Rundfunks hervor.

Blick auf den Nachwuchs

Im Laufe der Jahre haben sich die Musiker allerdings nicht nur als Marke etabliert, sondern auch in unterschiedlichen Bereichen Zusatzgeschäfte aufgebaut. Reinhard Horn hat zum Beispiel die Kindershow „Pirates of  the sea“ komponiert, die derzeit in vierzig TUI Hotels aufgeführt wird. Zudem bestehen Kooperationen mit dem ADAC sowie mit NGOs wie Aktion Mensch, Greenpeace oder der Kindernothilfe, für die der Musiker deren Kinderhymnen komponiert hat. Zudem bietet er Fortbildungen und Workshops für Erzieher und Lehrer an und vermittelt dort didaktische Tipps rund um den Umgang mit Musik. Donikkl ist Dozent für Musik und Bewegung im Grundschulunterricht an der Musikakademie Schloss Alteglofsheim, „Frank und seine Freunde“ betreiben passend zu ihrem Konzept rund um Musik und Bewegung zwei Indoor-Spielplätze.

Detlev Jöcker. Foto: Universal.

Detlev Jöcker. Foto: Universal Music.

Detlev Jöcker hingegen betreibt seit Jahren sein Label „Menschenkinder“, Rolf Zuckowski hat seinem musikalischen Kosmos den Titel „Musik für Dich“ gegeben. Neu ist sein Label „noch mal!!!“ bei Universal, hier stehen Künstler wie „Eule findet den Beat“ unter Vertrag. Zuckowski möchte sich künftig noch stärker um die Nachwuchsförderung kümmern. Welchen Tipps geben die Etablierten den Neustartern mit auf den Weg? „Authentisch sein“, sagt Volker Rosin. Bereits sein, sich durch regelmäßiges Touren die Basis für dauerhaften Erfolg zu legen, meint Andreas Maaß. Und es in den Generationenkreislauf der Konsumenten zu schaffen. Detlev Jöcker: „Wenn der Kindersänger mit seinen Songs zur Familie gehört, dann ist ein wichtiger Schritt in Richtung Erfolg getan.“

Mehr Informationen:

www.donikkl.com

www.frankundseinefreunde.com

www.herrh.com

www.menschenkinder.de

www.musik-fuer-dich.de

www.reinhardhorn.de

www.rosin.de

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