Wieder mehr Orientierung geben

Tape TV, Vevo, Dooloop TV oder Putpat TV gehören zu den Sendern, die Musikfernsehen weg vom Hauptmedium Fernseher holen und über viele Bildschirme hinweg personalisieren. Dabei verabschieden sie sich vom bloßen Streaming-Gedanken, hin zu etwas mehr Programmstruktur.

Von Simon Colin. Erschienen im Branchenmagazin Musikmarkt am 8. Mai 2015.

Video hat den Radiostar nicht gekillt, und MTV nicht das Musikvideo. Es läuft heute nur überwiegend auf anderen Sendern und Kanälen. Etwa auf solchen mit Ursprung im Web, zum Beispiel Tape TV oder Vevo. Durchweg zeigt sich hier eine Tendenz eher weg vom bloßen Streaming-Gedanken und dem Dauerbeschuss mit Musikvideos hin zu eigenproduzierten Sendungen und Formaten, die wieder ein bisschen mehr Orientierung geben.

Mittapen erwünscht

Kuratieren nennen das die Macher und unterbreiten ihren Kunden Inhalte zu bestimmten Themen und Aspekten, animieren aber auch zum aktiven Mitmachen. „Entertaine mich“, beschreibt Tape TV-Chef Conrad Fritzsch die Haltung vieler User, die sich einen „personalisierten Soundtrack wünschen, der sich gerade für diesen Moment eignet.“ Und so zeigt der Sender verstärkt Tapes, Playlists zu allen nur möglichen Themen. Dabei kooperiert Tape TV mit Prominenten wie Friedrich Liechtenstein, die als Botschafter für das Konzept stehen und User dazu animieren sollen, fleißig mitzutapen. „Wir suchen Influencer zum Beispiel auch in den Bereichen Fashion und Lifestyle, die dann zum Thema Mode Tapes erstellen“, sagt Conrad Fritzsch. Hundert Experten aus der Community möchte man gewinnen. Bei den Usern sei der kreative Mitgestaltungswunsch zudem sehr hoch, so dass sich der Tape-Gedanke verbreiten könnte. Tapes werden aber auch in Kooperation mit Labels erstellt. „Das Playlist-Marketing ist für die Labels wichtig“, so Conrad Fritzsch.

Sendung "Auf Achse" bei Vevo. Foto: Vevo.com

Sendung „Auf Achse“ bei Vevo. Foto: Vevo.com

Bei Vevo entwickelt man gerade eigene Musik- und Entertainment-Formate, die neue Talente präsentieren und fördern sollen. Hierbei kooperiert der Sender mit Unternehmen. „Im Werbemarkt ist Vevo die ideale Plattform für Branded Content-Kampagnen“, sagt Vevo Deutschland-Geschäftsführerin Tina Funk. „Aktuell ist das Vevo-Eigenformat ´Auf Achse´, das neue Bands und junge Künstler besucht, in Kooperation mit Seat unterwegs. Das sind sechs Episoden sowie zwei Festival-Specials bei Rock am Ring und Rock´n´ Heim.“ In Kooperation mit Partnern wie Yahoo, Samsung TV und Playstation läuft Vevo-Content auch auf diesen Plattformen und soll die Reichweite des Senders weiter steigern. Auch Tape TV geht ähnliche Wege und zeigt zum Beispiel auf bestimmte Zielgruppen angepasste Videopremieren auf bild.de oder spiegel.de.

Teilen und personalisieren

Musikvideos teilen via Social Media steht bei Dooloop TV im Fokus, das zur Mediengruppe RTL gehört. Das Musikangebot soll künftig noch stärker personalisiert werden. „Dabei legen wir großen Wert darauf, die individuellen Funktionen noch zugänglicher zu machen und auch unser Empfehlungssystem für relevante Künstler und Musik innerhalb der Playlists zu verbessern“, sagt Thorsten Sandhaus, Leiter Clipfish und verantwortlich für dooloop.tv bei RTL Interactive. „Über diese Maßnahmen hinaus wird Dooloop vernetzter. Einmal entdeckte Musik soll auf allen Endgeräten – ob online, mobile oder via Smart TV – gleichermaßen verfügbar sein und, um dem ´Social Factor´ gerecht zu werden, einfach mit allen Freunden zu teilen.“

Als personalisiertes Musikfernsehen charakterisiert Projektmanager Thomas Bayer Putpat TV. „Wir sehen uns als Musiksender und hier ist Putpat TV nicht nur im Web, sondern vor allem auf dem Fernsehgerät und auf mobilen Endgeräten nutzbar.“ Neben Musikvideos gibt es auch Live-Konzerte, Interviews und redaktionelle Beiträge zu sehen. Mit dem eigenen Tool „Veequalizer“, einer grafischen Benutzeroberfläche, kann man sich seinen eigenen Musikkanal zusammenstellen. Putpat TV ist inzwischen in den Smart TV-Plattformen vieler Gerätehersteller integriert.

„Eine der Entwicklungen, die wir aktuell vorantreiben, ist das Prinzip Companion Device“, erklärt Thomas Bayer. „Die einzelnen Endgeräte, auf denen Putpat TV verfügbar ist, werden wir in der Benutzung mehr und mehr verschmelzen. Während das Fernsehgerät die Funktion des reinen Wiedergabegerätes zurückerhält, übernehmen zum Beispiel die mobilen Endgeräte die komplette Steuerung in Echtzeit und bieten dem Zuschauer komfortable, programmbegleitende Such- und Informationsmöglichkeiten.“

Friedrich Liechtenstein als Botschafter von Tape TV. Screenshot: Tape TV.

Friedrich Liechtenstein als Botschafter von Tape TV. Screenshot: Tape TV.

Videofiles zu neuem Album

Conrad Fritzsch sieht im „Big Screen“ viel Potenzial. „Der Fernseher ist Second Device für eine ganze Generation und wird es auch bleiben für viele Anwendungen. Und Musikvideos sind einfach für den Big Screen gemacht und perfekt für die Aufmerksamkeit, die wir dem Big Screen schenken.“ Wichtig ist es, zum App-Repertoire auf dem TV zu gehören. Beim Anfang Mai startenden Android TV von Google hat es Tape TV in die Startaufstellung geschafft. Conrad Fritzsch denkt derweil aber auch über neue Sendeformate nach, etwa Videofiles zum Album eines neuen Künstlers, das neben dem neuen Musikvideo auch Interviews und Studioaufnahmen zeigt. „Wichtig ist, dass unser Produkt vom User jeden Tag gewollt wird, und zwar nicht nur der Content, sondern auch der Service. Dann ist er bereit, dafür zu zahlen.“

Mehr Informationen:

http://www.dooloop.de

www.putpat.tv

www.tape.tv

www.vevo.de

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