„Wir stehen für Stabilität und Langlebigkeit unserer Erfolgsserien“

„EUROPA“ feiert dieses Jahr seinen 50sten. Seit Anfang des Jahres ist Arndt Seelig (44) Director Family Entertainment bei Sony Music und damit Nachfolger von Ulli Feldhahn, der 20 Jahre an der „EUROPA“-Spitze stand. Im Interview gibt Arndt Seelig Einblicke in die Arbeit von „EUROPA“, das neben Hörspielen auch Kindermusik und Kinder-DVDs im Portfolio hat.

Erschienen im Branchenmagazin Musikmarkt am 4. September.

Herr Seelig, 50 Jahre Europa: mit welchem Selbstverständnis feiern Sie dieses Jubiläum?
Arndt Seelig: Wir halten natürlich hoch, dass wir ein Qualitäts- und Gütesiegel sind seit 50 Jahren. Die Hochwertigkeit der Produkte war uns schon immer sehr wichtig. Deswegen nehmen wir gerne auch mal mehr Geld in die Hand für aufwändige Musik und Geräusche, um die Hörspiele noch besser zu machen. Wir arbeiten mit renommierten Sprechern und mit bekannten Künstlern wie dem leider verstorbenen Dirk Bach oder Christoph Maria Herbst in Hui Buh. Entscheidend ist aber, dass die Kinder unsere Serien gerne hören. Dass die Endverbraucher ihren Kindern attraktive Hörspiele schenken möchten. Wir sind deswegen nach vorne gerichtet, möchten modern und innovativ sein. Aber natürlich ist auch wichtig, in die Vergangenheit zu schauen und zu sehen: woraus sind wir stark geworden?

Auszeichnung für Die drei ??? und ihre erfolgreiche Phonophobia-Tour. Es kamen 240.000 Fans. Foto: EUROPA.

Auszeichnung für Die drei ??? und ihre erfolgreiche Phonophobia-Tour. Es kamen 240.000 Fans. Foto: EUROPA.

Wie hat Europa das Hörspiel geprägt?
Arndt Seelig: Europa kam in den 60ern auf die Idee, Hörspiele für 5 Mark zu verkaufen. Man hat damals den Massenmarkt für Hörspiele erst geschaffen, dadurch eine distributive Stärke erreicht und zudem den Nachkauf an Folgen schmackhaft gemacht. Europa hat also eine breite Verfügbarkeit geschaffen und über den günstigen Preis eine Sammelleidenschaft ermöglicht. Das war ein großes Erfolgsgeheimnis. Man hatte zudem die Fortune und die Stärke, Serien zu erfinden und zu initiieren mit Heikedine Körting, die über Generationen eine Relevanz gefunden haben. Bis heute versuchen wir, Serien aufzubauen und langfristig zu halten. Zuletzt gelangen uns Chart-Eintritte mit den Teufelskickern, mit den drei ??? Kids und den drei !!!. Azuro aus ‚Kati und Azuro‘ ist unser sprichwörtlich neues Pferd im Stall.

Seit gut einem Dreivierteljahr sind Sie Europa-Chef. Welches sind aktuell Ihre wichtigsten Projekte?
Arndt Seelig: Ein ganz entscheidender Prozess ist die Überführung des Europa-Contents in die neuen digitalen Welten. Da stehen wir vor sehr großen Veränderungen. Stichwort Streaming. Wir gehen sehr massiv in diesen Bereich hinein. Für Kinder-Content wird Streaming immer wichtiger, Streaming wird meiner Einschätzung nach die absolute Nutzungsart der Zukunft sein. Auch Apps sind sehr wichtig, in denen unser Content drin ist. Wir haben da sehr viele Verbreitungsmöglichkeiten für das Medium Hörspiel, aber auch für Video und Kindermusik. Das sind ja die drei großen Säulen bei Europa.
Die Arbeit mit den neuen Partnern, die unseren Content zum Endverbraucher bringen, ist ebenfalls eine Herausforderung. Ebenso wie die Generierung des Contents, der für diese Distributionswege wichtig ist. Das ist aber auch unsere Expertise bei Europa. Begehrenswerten Content zu finden und etwas daraus zu machen.

EUROPA-Chef Arndt Seelig. Foto: EUROPA.

EUROPA-Chef Arndt Seelig. Foto: EUROPA.

Was zeichnet Europa Ihrer Einschätzung nach darüber hinaus aus?
Arndt Seelig: Das ist ganz klar die Qualität. Gute Produkte mit Begehrlichkeit. Wir stehen für Stabilität und Langlebigkeit unserer Erfolgs-Serien wie Hanni und Nanni, Die drei ???, TKKG oder Fünf Freunde. Unsere Zielsetzung ist, dass wir als Marktführer den attraktivsten Content im Markt haben. Dazu haben wir ein schlagkräftiges Team was Distribution und Marketing angeht. Unser Vertrieb ist im Bereich Digital Sales super gut aufgestellt, auch für die Anforderungen der Zukunft. Im Europa-Team haben wir zudem viele kreative Leute, die einen Riecher haben für gute Stoffe und neue Ideen.

Welche sind das zum Beispiel?
Arndt Seelig: Neu veröffentlichen werden wir im laufenden Geschäftsjahr Jan und Henry, bekannt aus dem Sandmännchen. Und Millli+Maunz, eine Super RTL-Serie, die wir im Herbst launchen. Wichtigstes Vermarktungsthema für uns wird Bob der Baumeister sein, es wird nämlich einen neuen Bob geben, der menschlichere Gesichtszüge hat. Das wird im Frühjahr 2016 sein, da laufen auf Super RTL dann auch die neuen Folgen. Wichtig ist uns zudem, nicht nur Lizenzen anzukaufen, sondern auch Content zu erfinden. Das ist uns mit Kati und Azuro und den Teufelskickern gelungen, an Hui Buh und TKKG besitzen wir die Rechte.

Wie werden Europa-Hörspiele überwiegend gekauft?
Arndt Seelig: Deutschland und speziell auch Family Entertainment ist unheimlich physisch geprägt. Noch vor ein paar Jahren war es so, dass noch mehr Hörspiel-Kassetten genutzt wurden als Hörspiel-CDs. Weil die Nutzung einfacher zu handhaben ist für das Kind. Und der Geschenkefaktor ist extrem hoch. Es lässt sich einfach besser eine CD oder auch DVD verschenken als ein Download-Code. Der physische Faktor ist sehr wichtig. Je älter dann die Zielgruppe wird, desto besser funktioniert es im Digitalbereich. Die drei ??? zum Beispiel sind der erfolgreichste Artist in Deutschland bei Itunes. Nichts wird zusammengerechnet mehr verkauft von einem Künstler in Deutschland. Fast jede Neuheit geht in die obersten Ränge der Itunes-Charts. Der Erfolg bei ITunes liegt auch daran, dass wir alle zwei Monate eine Neuheit herausbringen und einen Backkatalog von 175 Folgen haben. Bei TKKG und Fünf Freunde machen wir auch noch gute Digitalzahlen, ab dem Pre School-Bereich sinkt es dann aber deutlich.

Und wo werden die Hörspiele überwiegend verkauft?
Arndt Seelig: Schon immer wichtig für uns im Family Entertainment-Bereich waren die Verbrauchermärkte, in denen die Familie am Samstag ihren Lebensmittelgroßeinkauf macht. Und wo man dann, Stichwort Impulsprodukt, über einen guten Preis und über die Sichtbarkeit wie Displays, die Produkte gerne mitnimmt. Online-Händler sind ebenfalls sehr relevant, hier suchen die Käufer gezielt nach Produkten. Außerdem Elektrofachmärkte, Drogeriemärkte oder die Discounter, in denen auch viele Mütter sind. Das sind für uns die wichtigsten Kanäle. Im Bereich Download to own ist natürlich Itunes ganz wichtig, aber auch Amazon und Google Play sowie unser eigener Shop hoerspiel.de.

Es ist vorhersehbar, dass immer mehr Kinder Hörspiele auch digital hören. Wie stellt sich Europa darauf ein?
Arndt Seelig: Wir sehen die Entwicklung sehr positiv, denn die Verfügbarkeit des Hörspiels steigt durch mobile Geräte. Man kann es überall hören. Das ist eine wahnsinnige Erleichterung des Zugangs zum Hörspiel. Wir fördern das sehr stark, wir gehen wie gesagt sehr stark in den Streaming-Markt rein und sehen das als Zukunftsmarkt an. Die Monetarisierung ist aber auch für uns ein Problem. Denn während Songs auf Dauerschleife gehört werden, hört man ein Hörspiel einmal in einem kurzen Zeitraum an, mehrfach vielleicht über mehrere Jahre. Da gilt es, Lösungen zu finden. Denn ein Hörspiel ist ein Kulturgut, das in der Produktion teuer ist. Da müssen wir auch Möglichkeiten haben, das Geld wieder zu verdienen. Aktuell wird nach Hörspiel-Tracks abgerechnet.

Ganz schön passend: EUROPA feierte im Sommer den EUROPA Music Family Day im Europa Park. Foto: EUROPA.

Ganz schön passend: EUROPA feierte im Sommer den EUROPA Music Family Day im Europa Park. Foto: EUROPA.

Wie forciert Europa den Markt für Kindermusik?
Arndt Seelig: Wir konnten in den vergangenen Jahren Künstler wie ´herrh´, Donikkl oder Frank und seine Freunde an uns binden. Kindermusik-Künstler deutschlandweit bekannt zu machen ist allerdings ziemlich schwierig, denn dafür ist der Markt heute viel zu zersplittert. Kindermusik lebt sehr stark davon, dass die Künstler touren. Das ist ein Hardcore-Geschäft, du bist täglich auf der Bühne. Da kommt es auf Langfristigkeit in der Zusammenarbeit mit den Künstlern an, die von unserer Seite auch voll gegeben ist. Mit ´herrh´ zum Beispiel werden wir noch viel Spaß haben, da sind auch Fernsehformate in Sicht. Erst im Juli hatten wir im Europa Park Rust übrigens einen Europa Music Family Day, da sind alle unsere Künstler aufgetreten vor Zehntausenden von Besuchern.

DVDs sind mit Themen wie Bob der Baumeister eine wichtige Europa-Säule geworden. Welche Schwerpunkte legen Sie hier?
Arndt Seelig: Das DVD-Geschäft ist bereits seit 15 Jahren eine unheimlich starke Säule. Gestartet sind wir mit Bob der Baumeister, Tabaluga oder Sesamstraße. Bob und das Sandmännchen sind inzwischen absolute Klassiker und Highlights. Da haben wir inzwischen ein breites Portfolio. Von der ersten Meine Freunde Conni-Staffel, das waren sechs DVDs, wurden über eine halbe Million Stück verkauft innerhalb von zwei Jahren, das war ein riesen Erfolg. Auch die DVDs von Mascha und der Bär verkaufen sich sehr gut. Wichtig ist uns hier, ein möglichst breites Rechtepaket zu generieren. Also neben den DVD-Rechten auch die digitalen Rechte zu erhalten, über den visuellen Content komplett zu verfügen und diesen auch zu steuern. Die DVD ist allerdings nach wie vor extrem wichtig, auch wenn die Streamingportale deutlich an Relevanz gewinnen. Diese Entwicklung wird auch schneller gehen als im Audiobereich, weil die Bedienbarkeit für den Endverbraucher gut ist.

Mit Blick auf die kommenden Jahre: welche großen Linien sehen Sie für Europa?
Arndt Seelig: Das Allerwichtigste ist nach wie vor, attraktiven Content zu generieren. Über welchen distributiven Kanal der dann unters Volk gebracht wird, daran arbeiten wir. Diese Kanäle erschließen wir uns gerade. Ganz wichtig ist auch, Fanbindung unter den Endverbrauchern zu erreichen und einen Empfehlungscharakter zu erhalten. Dafür brauchen wir populären Content. Deswegen werden wir unsere Klassikerserien weiterführen und qualitativ hochwertig halten und die nachfolgenden Zielgruppen immer wieder neu binden. Nichts läuft von allein und alles muss wieder neu erobert werden, insbesondere die Herzen der Kinder und Jugendlichen.

Mehr Informationen:
http://www.natuerlichvoneuropa.de

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