„Unsere Geschichten werden immer gefragt sein“

Die Frankfurter Buchmesse (14.-18. Oktober) zählt traditionell zu den wichtigsten Plattformen für die Hörbuch-Branche. Der dortige Gemeinschaftsstand Hörbuch in Halle 3.1 wird mit organisiert vom Arbeitskreis Hörbuchverlage. Die Interessensvertretung zählt aktuell 115 Mitglieder. Sprecherin Heike Völker-Sieber über Themen, die die Audio Book-Labels aktuell bewegen.

Erschienen im Branchenmagazin Musikmarkt am 9. Oktober 2015.

Frau Völker-Sieber, wie ist das Hörbuch auf der anstehenden Frankfurter Buchmesse vertreten?
Heike Völker-Sieber: „Mittendrin“ wäre ein gutes Motto. Nach der Premiere im letzten Jahr präsentieren sich die Hörbuchverlage erneut prominent in Halle 3.1. Der „Exotenrolle“ sind wir längst entwachsen und bespielen, je nach Thema, die passenden Foren auf dem Messegelände.

Die Messe bietet traditionell Gelegenheit zum gemeinsamen Austausch. Auch wenn das Weihnachtsgeschäft noch aussteht: wie zufrieden sind die Verlage mit dem Jahr 2015?
Heike Völker-Sieber: Absatz und Umsatz liegen momentan nur leicht unter Vorjahr, der Markt zeigt sich also stabil und das nach zwei absoluten Rekordjahren. Eine komfortable Ausgangslage für die Verlage vor dem im Hörbuch traditionell sehr umsatzstarken Weihnachtsgeschäft.

Heike Völker-Sieber. Foto: Der Hörverlag.

Heike Völker-Sieber. Foto: Anita Back.

Seit Jahresanfang gilt für Hörbücher der reduzierte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent. Wie hat sich diese Umstellung ausgewirkt?
Heike Völker-Sieber: Noch sprechen die Verlage von unterschiedlichen Erfahrungen. Einige spüren mehr Luft in den Kalkulationen, andere nicht. Eine aussagefähige Bilanz lässt sich wohl erst nach einem vollen Jahr ziehen. Auf jeden Fall lohnt sich für unsere Handelspartner das Engagement nun noch mehr: Bei gleichem Umsatz mit Hörbüchern bleibt mehr in der Kasse.

Der Buchhandel ist nach wie vor der wichtigste physische Absatzkanal für Hörbücher. Doch die Flächen für Hörbücher sind rückläufig. Woran liegt das und wie steuern sie gegen?
Heike Völker-Sieber: Filialisten verkleinern sich punktuell aus unternehmensstrategischen Gründen. Umsatz-Garant ist allerdings nicht die Größe, sondern Qualität der Fläche: Ein auf das Publikum vor Ort optimal zugeschnittenes Sortiment gepaart mit attraktiver Präsentation.

Übrige Märkte gewinnen an Relevanz, zu den relevantesten Kanälen zählt der Tonträgerhandel. Wie entwickelt sich das Hörbuch hier und wo sehen Sie noch Potenzial?
Heike Völker-Sieber: Nach unseren Zahlen verkauft der Tonträgerhandel ebenfalls auf Vorjahresniveau. Auch dort bewährt sich eine intensive Sortimentspflege in enger Abstimmung zwischen Verlag und jeweiligem Vertriebspartner. Es muss nicht jeder Titel vorrätig sein, Hauptsache das Angebot passt zur Kundschaft im Laden. Die Automatisierung in der Warenwirtschaft bedingt starke Backlistverkäufe in diesem Vertriebskanal. Bei den Novitäten könnten durch clevere Präsentation noch stärkere Signale und Kaufimpulse gesetzt werden.

Frankfurt am Main, Hessen, Hesse, Deutschland, Germany. 10.10.2012. Model-Released. Impression in Halle 4_1. auf der Frankfurter Buchmesse. Gemeinschaftsstand Hoerbuchverlage. Neuseeland ist der Ehrengast, das Gastland der Frankfurter Buchmesse 2012. Alljaehrlich im Herbst, findet in Frankfurt am Main, die Frankfurter Buchmesse, die groesste Buechershow der Welt statt. Audiobooks Collective Stand in Stand hall 4_1. New Zealand is the guest of honour at the Frankfurt book fair 2012. Books move the people. © copyright: Peter Hirth / Frankfurter Buchmesse Presse- und Unternehmenskommunikation Ausstellungs- und Messe-GmbH des Boersenvereins des Deutschen Buchhandels Braubachstrasse 16 60311 Frankfurt am Main press@book-fair.com © Copyright-free for journalistic purposes only, no other rights are available. © Copyright frei nur fuer journalistische Zwecke. Keine Model-Release-Vertraege/Persoenlichkeitsrechte der abgebildeten Personen vorhanden. Keine Weitergabe an Dritte. Belegexemplar erbeten an: Frankfurter Buchmesse Presse- und Unternehmenskommunikation Ausstellungs- und Messe-GmbH des Boersenvereins des Deutschen Buchhandels Braubachstrasse 16 60311 Frankfurt am Main press@book-fair.com

Foto: Frankfurter Buchmesse, Peter Hirth.

Die CD ist nach wie vor das dominante Hörbuch-Medium. Die mp3-CD scheint gerade für Audio Books relevant zu sein. Ist sie ein Mittel, um physische Medien attraktiv zu halten?
Heike Völker-Sieber: Beide Speichermedien ergänzen sich. Die mp3-CD verbindet den Komfort des Digitalen mit der Sinnlichkeit und „Geschenkfähigkeit“ des Haptischen und ist damit für den Händler die Chance, auch das Download-affine Publikum zu erreichen. Dazu kommen ökologische Argumente und geringerer Platzbedarf. Für bestimmte Genres, etwa Kinder-Hörbücher, oder Einzeltitel, zum Beispiel bewusst voluminöse bibliophile Boxen, bleibt die Normal-CD die richtige Wahl.

Hörbuch-Downloads scheinen sich quasi monopolistisch auf das Portal Audible zu konzentrieren, eine Amazon-Tochter. Lohnt sich das Download-Geschäft für die Verlage überhaupt?
Heike Völker-Sieber: Audible ist im Download-Bereich der wichtigste Partner der Hörbuchverlage. Daneben entwickeln sich Portale wie zum Bespiel die Tolino-Allianz, erwähnenswert sind auch Aggregatoren wie Zebralution, die gleich mehrere Plattformen beliefern. Selbstverständlich lohnt sich das Geschäft. Die Umsatzanteile sind teilweise beachtlich, wenn auch genre- und titelabhängig. So liegt die Quote etwa bei Kinderstoffen noch deutlich unter dem Durchschnitt. Die konstante Relation von physischem und digitalem Umsatz zeigt, dass wir über Downloads immer noch Zielgruppen erweitern und Kunden für den haptischen Markt „abholen“ können.

Ist Streaming für Hörbücher ein aussichtsreicher Kanal? Wo sehen Sie Chancen und Hürden?
Heike Völker-Sieber: Die Verlage gehen unterschiedlich mit diesem Kanal um. Einige berichten von vorwiegend positiven, manche von eher enttäuschenden Erfahrungen. Andere beobachten und starten Testballons. Zweifelsohne bewegen legale Streamingangebote so manche, insbesondere jüngere User mit geringer Zahlungsbereitschaft aus der Illegalität. Für die Hörbuchanbieter stellt sich die Frage nach dem perfekten Timing – wann gebe ich welchen Titel ins Streaming, um wirtschaftlich im grünen Bereich zu sein. Und die Frage nach einem dauerhaft für alle Seiten tragfähigen Geschäftsmodell ist bisher nur bedingt beantwortet.

Mit Blick auf die kommenden Jahre: welche Themen und Aufgaben möchte der Arbeitskreis Hörbuchverlage angehen?
Heike Völker-Sieber: Wir wollen die Kreativität und den Veränderungswillen in unserer Branche hochhalten, dafür sorgen, dass das Hörbuch bei vielversprechenden Entwicklungen weiter ganz vorne dabei ist und die Verlage in diesem steten Wandel unterstützen. Denn – das ist das Schöne – unsere Geschichten werden immer gefragt sein.

Mehr Informationen:
http://www.boersenverein.de/de/158256

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