Neue Hörer durch Streaming

Zur Leipziger Buchmesse (17.-20.3.) erhofft sich die Hörbuch-Branche eine Lösung im anhaltenden Zwist der Marktforscher GfK Entertainment und Media Control. Auch Streaming ist Thema: hier möchten die Verlage neue Hörergruppen erreichen.

Erschienen im Branchenmagazin Musikmarkt am 4. März 2016.

Beim Stichwort Marktzahlen schütteln viele Hörbuchvertreter momentan den Kopf. Sogar von einem Datenkrieg ist die Rede. Zur Leipziger Buchmesse (17. bis 20. März) erhofft sich die Branche nun eine Lösung. Hintergrund der Kontroverse ist, dass sich im Bereich Audio Book in den vergangenen Jahren zwei Marktforschungsunternehmen etabliert hatten, die zunehmend Exklusivvereinbarungen mit Marktteilnehmern wie Thalia oder Amazon ausgehandelt hatten: GfK Entertainment und Media Control. Die Folge: viele Hörbuch-Vertreter bemängelten, dass nun keine Zahlen mehr vorlägen, die den Markt möglichst breit abdecken.

Marktforscher-Einigung in Leipzig?

Doch jetzt könnte sich eine Einigung abzeichnen. Wie das Branchenmagazin Börsenblatt berichtete, möchten die beiden Marktforscher zur Leipziger Buchmesse nähere Informationen geben und in der Folge einen 5-Punkte-Plan umsetzen. Hauptsächlich soll es darum gehen, dass die bestehenden Exklusivvereinbarungen zur Datenerhebung aufgelöst werden und dass auch künftig keine Exklusivverträge mehr abgeschlossen werden.

Hörbuch in Leipzig. Foto: Leipziger Buchmesse.

Hörbuch in Leipzig. Foto: Leipziger Buchmesse.

„Wir stehen zum 5-Punkte-Plan und wollen ihn gemeinsam mit den Verlagen, Händlern und Media Control umsetzen“, antwortet GfK Entertainment-Geschäftsführer Mathias Giloth auf eine Musikmarkt-Anfrage, die Media Control hingegen unbeantwortet lässt. „Für die Hörbuchverlage ist diese Klärung sehr wichtig, denn für 2015 wurden Zahlen gemessen, die weder zu den Aussagen des Handels passten noch zu dem uns zur Verfügung stehenden Zahlenmaterial“, erläutert Argon-Marketing- und Vertriebschef Kilian Kissling die Situation.

mp3-CD hat sich durchgesetzt

Trotz unbefriedigender Marktforschungslage ist hingegen klar: die physische CD dominiert nach wie vor den Audio Book-Markt. Durchgesetzt hat sich im Hörbuch-Genre die mp3-CD, da sind sich die Verlagsvertreter einig. Die Vorteile liegen auf der Hand: mehr Spieldauer, weniger Volumen und in Relation zur konventionellen CD die Möglichkeit für günstigere Verkaufspreise.

Mit Blick auf die Flächen im Tonträgerhandel sehen manche Verlagsvertreter allerdings rückläufige Entwicklungen für das Hörbuch. Lübbe Audio-Chef Marc Sieper beobachtet einen generellen Schwund in den Tonträgerflächen zugunsten von Blu Rays, DVDs und Games. Dies ginge zu Lasten der Musik-CDs und Hörbücher. „Ich kann hier nur an den Handel appellieren, die Entwicklung der Musikbranche nicht ungefiltert auf das Hörbuch zu übertragen“, sagt Marc Sieper. „Noch immer macht die CD den mit Abstand größten Umsatzanteil des Hörbuchmarkts aus, Namen wie Dan Brown, Stephen King oder Sebastian Fitzek bringen Kunden in den Laden, was doch letztlich jeder Händler braucht.“

Zusatzkanal Streaming

Hin- und hergerissen zwischen Kritik und Hoffnung sind die Audio Book-Verlage beim Thema Streaming. Mit Ausnahme von Amazon verdiene mit Streaming niemand Geld, sagt Amadeus Gerlach, Leiter des Audio Verlags. „Und Amazon verdient damit nur Geld, indem sie mehr Amazon Prime-Kunden generieren, die doppelt und dreimal so viel einkaufen wie vorher. Streaming wird dort allein als Marketing-Vehikel zur Kundenbindung benutzt. Die Prime-Kunden kaufen dann mehr Fahrräder, Motorsägen, Mobiltelefone, Reader – was immer. Als Verlag profitieren wir davon nicht.“

Hörbuch in Leipzig. Foto: Leipziger Buchmesse.

Hörbuch in Leipzig. Foto: Leipziger Buchmesse.

Auch Hörbuch Hamburg-Pressechefin Ines Hansla ist skeptisch. Lägen die Margen für Verlage höher, könnte Streaming allerdings ein tragbares Geschäftsmodell sein. „Das zeigen schwedische Angebote wie etwa Storytel oder Bookbeat. Hier wurden rein literarische Flatrate-Plattformen etabliert, deren Erlöskuchen nicht mit den Musikfirmen und den viel häufiger gehörten Songs geteilt werden muss.“ Auch Robert Wildgruber, Verlagsleiter Hörverlag und Random House Audio, ist zuversichtlich. „Streaming könnte sich mittelfristig zu einer sinnvollen Stufe innerhalb einer optimalen Verwertungskette von Hörbuch-Inhalten entwickeln. Falls sich der Markt zukünftig stärker segmentiert, erreichen wir übers Streaming möglicherweise andere Zielgruppen und können bestimmte Genres und Inhalte vorrangig dort platzieren.“

Für Marc Sieper ist Streaming ein Zusatz-Umsatzbringer ohne negative Auswirkungen auf die klassischen Vertriebswege. Die Entwicklung sei generell interessant, da verschiedene Streamingdienste planten, das Hörbuch deutlicher in den Fokus zu stellen. Auch Kilian Kissling sieht im Streaming einen interessanten Zusatzkanal. Zudem erhofft er sich durch Streaming eine noch weitere Verbreitung des Mediums Hörbuch. „Ich schätze, dass wir in Deutschland bisher etwa 10 Millionen Menschen jemals erreicht haben, wohingegen 70 Millionen Menschen noch nie Berührung mit unserem Medium hatten. Folglich stellt sich für die Hörbuchbranche bei einem neuen Kanal weniger die Frage nach der Verteilung der angestammten Kundschaft. Unsere Branche kann noch in erheblichem Umfang neue Hörer gewinnen.“

Mehr Informationen: http://www.leipziger-buchmesse.de

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s