„Digitale Technologie bringt Menschen wieder in die Läden“

Die Musikmesse präsentierte sich in diesem Jahr mit einem neuen Konzept. Ein wesentlicher Baustein: die Ausweitung des Angebots für Fachbesucher inklusive einer eigenen Business-Ebene. Spürbar rückläufig war die Zahl der Aussteller.

Von Simon Colin. Erschienen im Branchenmagazin Musikmarkt am 6. Mai 2016.

Gut 110.000 Besucher und damit etwas mehr als im Vorjahr (108.409) besuchten Anfang April die Musikmesse und die Prolight + Sound auf dem Frankfurter Messegelände. Einiges war neu in diesem Jahr an Konzept und Ablauf: so war die Musikmesse erstmals an allen vier Tagen auch für Endverbraucher geöffnet, zudem tauschte sie mit der Prolight + Sound das Areal und zog vom Ost- auf das Westgelände.

Impression von der Musikmesse. Foto: Simon Colin

Impression von der Musikmesse. Foto: Simon Colin

Mit einem Minus von gut 15 Prozent war die Zahl der Musikmesse-Aussteller recht deutlich rückläufig: 1.103 Aussteller kamen in diesem Jahr nach Frankfurt, im Vorjahr waren es noch 1.310 Unternehmen. „Auch wenn einige Aussteller sich das Konzept in diesem Jahr erstmal vor Ort ansehen wollen, freuen wir uns beim Neustart über mehr Aussteller als wir erwartet haben“, federte Messe Frankfurt-Geschäftsführer Detlef Braun die rückläufigen Zahlen argumentativ ab.

„Business meets Business“

Zum neuen Konzept gehört unter anderem eine Ausweitung des Angebots für Fachbesucher. Erstmals öffnete die Musikmesse unter dem Motto „Business meets Business“ eine komplette Hallenebene für Branchenvertreter, um eine ruhige Atmosphäre für Vertriebs-, Marketing- und Lieferantengespräche zu ermöglichen. In diesem Rahmen präsentierten sich auch zahlreiche Hersteller an einem Gemeinschaftsstand, zudem startete die neue „Business Academy inspired by SOMM“ mit Vorträgen, Workshops und einem „Future Shop“. Daniel Knöll, Geschäftsführer der Society of Music Merchants (SOMM): „Das Engagement der SOMM auf der Musikmesse zeigt, wie wichtig uns der Schauplatz in Frankfurt ist. Die SOMM übernimmt die inhaltliche Mitgestaltung in vielen Teilbereichen.“

Impression von der Musikmesse. Foto: Simon Colin

Impression von der Musikmesse. Foto: Simon Colin

Im „Future Shop“ wurden an mehreren Stationen Lösungen für das Musikfachgeschäft der Zukunft präsentiert. Themen waren unter anderem Webshop-Optimierung, Serviceaspekte wie „Same Day Delivery“ und das so genannte „Window Shopping“. Vereinfacht gesagt bezeichnet es das Schaufenstershopping in Smartphone-Zeiten. Immer mehr Endverbraucher schauen beim Schlendern durch die Fußgängerzonen nämlich eher auf ihr Telefon, als in die Ladengeschäfte. Gefragt sind Lösungen, die per Kommunikation mit dem Smartphone den Blick wieder in die Schaufenster lenken.

Trend hin zum Lokalen

Im Business-Areal konnten sich Händler darüber hinaus in gut 30 Vorträgen und Workshops über Branchen-Themen informieren. Unter den Referenten waren auch Branchenfremde, die aber mit ihren Ideen Denkanstöße gaben. Zum Beispiel Tim Lagerpusch, Gründer und Geschäftsführer von Sugar Trends. Die Kölner bieten ein Webshop-System, in dem sich kleine, lokale Händler bundes- bis weltweit verbünden und vernetzen können. Tim Lagerpusch sieht einen Trend hin zum Lokalen und möchte sein Netzwerk von aktuell 200 auf 10.000 angeschlossene Partner weltweit ausbauen.

Impression von der Musikmesse. Foto: Simon Colin

Impression von der Musikmesse. Foto: Simon Colin

Er forderte die Händler auf, noch stärker das Internet und die sozialen Medien zu nutzen. Etwa durch digitales Storytelling, indem zum Beispiel Events fotografiert und mit der Community geteilt werden. Denkbar sei auch der Einsatz von 3D-Fotos und 3D-Videos sowie von Virtual Reality-Brillen als digitales Shopping-Erlebnis. Mit Blick auf das Geschäft vor Ort sei ein regionaler Lieferservice im Verbund mit Partnergeschäften überlegenswert. Tim Lagerpusch ist sich sicher: „Lokales Shopping ist ein tolles Erlebnis, das online wie offline zugänglich ist.“

Aus dem Lebensmittelhandel stammt Sebastian Diehl, Mitgründer der „Emmas Enkel“-Geschäfte. Er plädiert für eine „radikale Vernetzung von Laden und online“. So herrscht in seinen Geschäften eine persönliche, bewusst etwas nostalgisch angehauchte Tante-Emma-Atmosphäre inklusive Lieferservice und großem Lager zur sofortigen Verfügbarkeit der Artikel. Zugleich gibt es ein Onlineportal mit zahlreichen weiteren Artikeln und speziell vorsortierten Paketen, etwa für einen Mädels- oder Fußballabend.

Sebastian Diehl rät zu einem gut durchdachten E-Commerce-Konzept und sieht die Digitalisierung als Chance auch für den stationären Handel. „Jahrelang hat die Technologie die Menschen aus dem Laden geholt, jetzt bringt sie sie wieder rein.“

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