Journalismus und PR

Dieses Blog soll unter anderem das Spannungsverhältnis von Journalismus und PR thematisieren, in dem ich arbeite. Hier nun eine grundsätzliche Einordnung:

Als

POSITIONSPAPIER

könnte man die folgenden Zeilen etwas nüchtern bezeichnen, in denen es um die grundsätzliche Definition meiner Arbeit im Spannungsfeld zwischen Journalismus und PR geht. Kurzum: meine Philosophie, die Basis meiner professionellen Arbeit. Mit diesem Eintrag möchte ich hierüber ein wenig mehr Klarheit schaffen und mich gerne auch der kritischen Auseinandersetzung stellen.

Darum geht es:

Wenn mich früher jemand gefragt hat, was ich arbeite, dann habe ich lange Zeit der Einfachheit halber gesagt: Journalist. Doch war das nur die halbe Wahrheit. Heute sage ich Journalist und Texter – aber auch das ist stark vereinfacht.

Treffender wäre: Ja, ich bin Journalist. Ja, ich bin Texter. Ja, ich mache auch Pressearbeit. Ich bin also ein „Medienmensch“.

Hartgesottene Journalisten mögen nun sagen: das geht nicht! Und auch ich war einmal dieser Ansicht. Und nach wie vor gilt: Journalismus und PR sind zu trennen, das ist ein fester Bestandteil eines professionellen und auch demokratischen Selbstverständnisses.

Doch gerade die Zeitungshäuser, jene also, die immer noch auf die PR schießen, sorgen mit ihren katastrophalen Honorarbedingungen dafür, dass viele Journalisten dazu gezwungen werden, auch „böse“ Pressearbeit zu machen – sonst können sie nicht überleben. Man muss sich nur einmal unter jungen Journalisten umhören – viele sind nicht mehr „reinrassig“.

Auch ich nicht. Früh habe ich gemerkt, dass ich mich breit aufstellen muss und habe nach meinem Studium der Publizistik mit Schwerpunkt Journalistik in einer Pressestelle ein Volontariat absolviert. Ich kann also nun beides, praktiziere heute auch beides und finde auch beide Arbeitsfelder sehr erfüllend. Doch genau da steckt das Risiko im System: man muss nun einmal beide Bereiche gut kennen, um verantwortungsvoll abgrenzen zu können.

Ich trenne Journalismus und PR in meinem Arbeitsalltag. Und ich bin der Meinung, dass es mir auch gelingt. Das geht, weil die jeweiligen Arbeitsfelder thematisch viel zu unterschiedlich sind. Doch es kommt nicht nur darauf an. Man muss auch eine moralische Verpflichtung fühlen und diese in seiner beruflichen Ethik verankern – und das setzt eben auch eine Ausbildung in beiden Bereichen voraus.

Kurzum: Sich nicht beeinflussen zu lassen, das macht unter anderem einen guten Journalisten aus. Bei der Pressearbeit immer zu bedenken, was die Botschaften der Gesellschaft bringen, das macht unter anderem einen guten PRler aus. Mein Büro, Medienbuero Aufs Wort, steht auch dafür, dass sich beide Bereiche auf fairer und professioneller Augenhöhe begegnen können – wenn auch weiterhin in strikter Trennung. Und an diesen großen Worten möchte ich mich gerne und jederzeit messen lassen.

 

Der Fall Wiesenhof

Geposted im September 2011

Die ARD-Reportage über Tierquälereien bei Wiesenhof schlägt hohe Berichterstattungs- und PR-Wellen.

Heute berichtet Meedia über die „verlogene PR-Kunst von Wiesenhof“: http://meedia.de/fernsehen/die-verlogene-pr-kunst-von-wiesenh…
Einen etwas anderen Fokus setzt das Branchenmagazin W&V:
http://www.wuv.de/nachrichten/unternehmen/der_fall_wiesenhof_…

Interessant ist in jedem Fall ein Blick in den Wiesenhof-Imagekanal auf You tube. Dort ist ein Gegen-Beitrag zu sehen, aber auch etliche böse Kommentare:
http://www.youtube.com/user/wiesenhof

Zwar scheint die Arbeit der Wiesenhof-PR-Agentur Engel & Zimmermann in der Tat recht zweifelhaft zu sein, denn Tierleid wurde durch die ARD-Reportage ja eindeutig nachgewiesen. Allerdings muss sich die SWR-Redaktion durchaus die Frage gefallen lassen, ob es stimmt, dass der negative Tenor der Reportage von vorneherein feststand.

„Der Fall Wiesenhof“ ist also ein beeindruckendes Lehrstück dafür, dass PRler UND Journalisten jederzeit die einwandfreie Herangehensweise an ihre Arbeit belegen können sollten.

Ausgebeutet: freie Journalisten

Geposted im August 2011

Freie Journalisten gehören zu den schlechtbezahltesten Arbeitern Deutschlands. Insbesondere jene, die für Lokalzeitungen arbeiten. Auch ich habe in diesem Blog schon auf die sittenwidrigen Honorarverhältnisse hingewiesen, weiter unten, die im Grunde derart asozial sind, dass es einer gesetzlichen Regelung bedürfte.

Es ist wichtig, die breite Öffentlichkeit immer wieder auf diese Zustände hinzuweisen, deswegen sollte man sich den Beitrag von Hardy Prothmann in seinem Blog einmal zu Gemüte führen:

http://www.pushthebutton.de/2011/08/03/zeitungsstreik-solidar…

Zwar schreibt er hier sehr zugespitzt und ich persönlich kann auch seine Kritik an den „skandalösen Auftragsverhältnissen“ bei Tageszeitungen nicht teilen – die Redakteure im Darmstädter Echo, für das ich schreibe, sind nicht nur fachlich, sondern auch menschlich top – dennoch berichtet Hardy Prothmann hier durchaus eindrucksvoll von seinen Erlebnissen.

Und noch einmal: man kann gar nicht oft genug auf die schlimme Situation der freien Journalisten hinweisen. Es ist an der Zeit, dass die Verlage hier endlich zur Verantwortung gezogen werden.

Studie zeigt: Skandal-Honorare für freie Journalisten

Geposted im Mai 2011

Freie Journalisten in den neuen Bundesländern erhalten skandalös niedrige Honorare. Eine an der Viadrina-Universität Frankfurt (Oder) durchgeführte Studie kommt nach einer Befragung der Zeitungsverlage zu dem Ergebnis, dass je nach Auflage zwischen 13 und 47 Cent pro Druckzeile gezahlt werden, im Schnitt 30 Cent. Das bedeutet, dass ein Journalist für einen 100-Zeilen-Text, für den er gut vier Stunden beschäftigt ist, bei 30 Cent pro Zeile 30 Euro erhält – brutto. Das macht einen Brutto-Stundenverdienst von 7,50 Euro. Bei 13 Cent sind es 13 Euro und 3,25 Euro brutto. Dies dürfte nahezu sittenwidrig sein – und die freien Journalisten damit die gerne und nicht immer korrekterweise zitierten Friseure am Ende der Niedrigstlohnskala ablösen.

Irritierenderweise trifft der Leiter der Studie, Professor Johannes Weberling, in seinem Vorwort eine skurril anmutende Aussage. Darin bezieht er sich auf die in Westdeutschland ausgehandelten (aber von den allermeisten Verlagen nicht praktizierten) Vergütungsregeln für freie Journalisten:

„In Anbetracht der strukturell schlechteren wirtschaftlichen Verhältnisse der ostdeutschen Tageszeitungsverlage würde dies (Anmerkung der Blog-Redaktion: die Umsetzung der Vergütungsregeln) die Tageszeitungsverlage in den neuen Ländern unvertretbar, da den Marktverhältnissen nicht entsprechend, wirtschaftlich belasten und dadurch das derzeit bestehende redaktionelle Angebot zum Schaden für alle gefährden.“

Ist klar: wer seinen freien Autoren drei Euro die Stunde zahlt, kommt natürlich schnell in Turbulenzen, wenn es darum geht, die Preise anzuziehen. Herr Weberling dürfte zudem gut beraten sein, durch Aussagen wie die oben stehende seine Glaubwürdigkeit nicht aufs Spiel zu setzen.

Die Studie selbst enthält einige sachlich interessante Ergebnisse, hier der Link:

http://www.presserecht.de/index.php?option=com_content&vi…

Zur besseren Einordnung hier der Link zu einer Hintergrundseite rund um die ausgehandelten westdeutschen Zeilenhonorare:

http://www.faire-zeitungshonorare.de/

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s