Meinung

Presserabatte? Nein!

Sie sind umstritten, unter Journalisten und PRlern (denn auch sie können von ihnen profitieren): die Journalistenrabatte, auch Presserabatte genannt. Derzeit kocht die Diskussion mal wieder hoch: zu recht. Denn im Grunde ist die Frage, ob solche Rabatte gerechtfertigt sind, mit „Nein“ zu beantworten. Manche Redaktionen untersagen es ihren Mitarbeitern sogar, Rabatte zu nutzen. Schließlich bleibt der Rabatt-Geber „in guter Erinnerung“, ob man will oder nicht. Und dies könnte sich auf den journalistischen Kontakt mit jenem „Rabatt-Geber“ auswirken. Auf der Strecke bleibt im schlimmsten Fall die nötige Portion an kritischer, professioneller Distanz.

Presserabatte sollte man deswegen grundsätzlich ablehnen. Bekannt ist insbesondere die Seite www.pressekonditionen.de mit ihrer sehr detaillierten Übersicht. Zwar ist sie ein toller „Service“, klar. Dennoch zeigen die unzähligen Rabatte dort, wie weit verbreitet sie längst sind – da scheint das Angebot die Nachfrage wiederzugeben. Allerdings: mit ein bisschen Recherche stößt man schnell darauf, dass die Rabatte oft nicht „lohnen“, es anderswo sogar bessere Konditionen gibt. Für „Rabattjäger“ möglicherweise sogar das schlagendere Argument als das moralische, um von den Presserabatten zu lassen.

Ich wasche meine Hände hier übrigens nicht in Unschuld. Auch ich habe schon einen ermäßigten Eintrittspreis ins Senckenbergmuseum und sogar freien Eintritt in den Opel-Zoo genossen. Aber ist das richtig? Nein. Denn warum sollten Journalisten dieses Privileg haben? Es gibt hierfür schlichtweg kein Argument. Ich jedenfalls zücke meinen Presseausweis nicht mehr. Auch PRler sollten von den Rabatten lassen, beziehungsweise im Hause für deren Abschaffung plädieren: denn die Menschen in „den Medien“ sind keine „Extrawürste“.

Freien Eintritt sollten Journalisten allerdings nach wie vor erhalten, wenn sie Zugang im Rahmen ihrer Arbeit benötigen. Denn es gibt immer mal wieder Menschen, die fragen, warum Journalisten kostenfrei ins Theater oder Kino dürfen, „nur“ weil sie drüber schreiben. Die wohl wichtigsten Argumente für den freien Eintritt: müssten sie zahlen, gäbe es mit Sicherheit Anbieter, die weiterhin einen kostenfreien Zugang ermöglichen. Der Journalist sieht sich dann der „Vorteilnahme“ und „Bestechlichkeit“ ausgesetzt. Und: der Eintrittspreis „blendet“ die Wahrnehmung, wenn es darum geht, eine Kritik zu verfassen, die sich nur auf das Künstlerische beziehen soll.

Wie stehst du zu den Presserabatten?

Post vom 24.07.2012

 

Ogilvy-CEO Thomas Strerath ruft zum Boykott von Deichmann-Kampagne auf

Post vom 12.04.2012

Ogilvy-CEO Thomas Strerath ist der Kragen geplatzt. Der Grund: Post von Deichmann. Ihr Inhalt: Zum 100jährigen Jubiläum sollen Agenturen dem Schuh-Discounter eine passende Kampagne stricken – zu anscheinend haarsträubenden Konditionen: kein Briefing, viel zu niedriges Honorar, unakzeptable Bedingungen. Seinem Ärger macht Strerath in einem Facebook-Post Platz, in dem er seine Agentur-Kollegen auch dazu aufruft, nicht an der Deichmann-Kampagne teilzunehmen:

http://www.facebook.com/thomas.strerath

Die Media-Fachpresse hat das Ganze längst aufgegriffen, etwa Horizont:

http://www.horizont.net/aktuell/agenturen/pages/protected/Unv…

Auf jeden Fall ist Thomas Streraths Ausraster ein Knall, und was für einer. Gut so! Denn Anwandlungen wie jenen von Deichmann muss schnell ein Riegel vorgeschoben werden. Setzt sich so ein Gebärden durch, droht schnell ein Dammbruch. Die Folge: Honorar- und Konditionendumping. Von partnerschaftlichem Miteinander keine Spur.

Welch dramatische Ausmaße das annehmen kann, bekommen etwa viele freie Journalisten schon seit Jahren täglich zu spüren. Der Markt ist inzwischen vollkommen „versaut“, viele Freie gar nicht mehr in der Position, so deutlich wie Thomas Strerath Position zu beziehen gegen Zustände, die nicht haltbar sind: Honorardumping, Total-Ausverkaufs-Verträge, asoziale Zustände.

Und auch wenn die Vergleichbarkeit von Werbemarkt und Journalismus eingeschränkt ist: Reaktionen wie Streraths sollten Mut machen, sich in der Medien- und Kreativbranche nicht alles gefallen zu lassen. Respekt also, Herr Strerath. Volltreffer!

Niedriglohn-Report – und was ist mit den freien Journalisten?

Post vom 14.03.2012

Das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen stellt in seinem IAQ-Report 1/2012 unter anderem fest, dass im Jahr 2010 mit 23,1 Prozent fast jeder vierte deutsche Arbeitnehmer für einen Niedriglohn von unter 9,15 Euro arbeitet:

http://www.iaq.uni-due.de/iaq-report/2012/report2012-01.pdf

Dies ist sicherlich beängstigend genug, allerdings möchte ich in diesem Blog erneut die Gelegenheit ergreifen, auf die sittenwidrigen Honorarverhältnisse hinzuweisen, denen sich viele freie Journalisten, insbesondere an regionalen Tageszeitungen, ausgesetzt sehen. Und diese Kolleginnen und Kollegen sind noch nicht einmal im Krankheitsfall abgesichert, von bezahltem Urlaub ganz zu schweigen.

Interesse daran, einmal zu erfahren, wo freie Journalisten besonders wenig verdienen? Dann bitte einmal auf dieser Seite durchklicken:

http://www.mediafon.de/empfehlungen_honorare_text.php3?view=&…

Die Angaben dort beruhen auf der Selbstauskunft von freien Journalisten. Ein paar Beispiele gefällig?

Allgemeine Zeitung (Lüneburger Heide): 10 Cent pro Zeile (Stand: 2/2010). Macht bei einem 100-Zeiler und im Schnitt 4 Stunden Arbeit, die für so einen Artikel nötig sind, 10 Euro, also 2,50 Euro Stundenlohn (kein Scherz!). Selbst bei der absolut utopischen Annahme, man schafft zwei solcher Texte pro Tag und an 5 Tagen die Woche, macht das 400 Euro – für einen anspruchsvollen Fulltime-Job im Monat! Urlaub und Krankheit sind hier noch nicht mal mit abgesichert. Wie soll da Qualitätsjournalismus möglich sein?

Frankfurter Neue Presse: 38 Cent pro Zeile (Stand 4/2011). Bei gleichen Annahmen wie oben kommt der freie Journalist hier auf 9,50 Euro Stundenlohn und 1530 Euro brutto im Monat. Da fällt es nach wie vor schwer, sich selbst über die Runden zu bringen.

Rheinische Post: 30 Cent pro Zeile (Stand 4/2011).

Westfälischer Anzeiger: 5 Cent (!) pro Zeile (Stand 1/2011).

Ganz klar: dies sind recht krasse und bewusst selektierte Beispiele. Und natürlich zeigt die Übersicht, dass einige Verlage besser zahlen, insbesondere große Zeitungen und Zeitschriften. Aber: freie Journalistinnen und Journalisten haben gegen diese teils asozialen Verhältnisse kaum eine Handhabe. Irre genug ist ja alleine schon, dass die Verlage das Honorar diktieren – freie Journalisten aber eigentlich Unternehmer sind. Man diktiere einem Handwerker einmal seinen Lohn …

Da also das Unternehmertum der freien Journalisten durch viele Verlage sowieso ausgehöhlt wird, ist es an der Zeit, dass der Staat regulierend eingreift. Verlage müssen gezwungen werden, ihre freien Mitarbeiter anständig zu bezahlen. Zwar gibt es mit www.faire-zeitungshonorare.de eine lobenswerte Gewerkschafts-Initiative, doch diese scheint nicht schlagkräftig genug.

Er muss kommen, der „Mindestlohn“ für freie Journalistinnen und Journalisten!

Auch tote Verbrecher haben ein Recht auf Würde

Post vom 20.10.2011

Muammar al-Gaddafi war ziemlich sicher ein durchgeknallter Verbrecher und Menschenverachter. Und doch hat auch er nach seinem Tod ein Recht auf Würde. Deswegen ist es beschämend, dass Junk-Journalismus Medien wie Bild und T-Online Fotos des toten Gaddafi zeigen. Offensichtlich nur, um mehr Klicks, sprich Werbeeinnahmen, und verkaufte Blättchen einzufahren:

www.t-online.de www.bild.de

Nicht viel besser verhält sich erschreckenderweise www.tagesschau.de

Immerhin: einige Qualitätsmedien sind hier zurückhaltender. Eine Auswahl:

www.spiegel.de www.sueddeutsche.de

www.zeit.de zeigt zwar ein Video, aber ohne die Todesfotos.

Stand jeweils: 20.10.2011, 18.30 Uhr.

Kurzum: Tote in Print und TV, distanzlose Reporter unter Katastrophenopfern – es ist dringend an der Zeit, dass hier wieder mehr Zurückhaltung durchgreift. Ansonsten werden die Krisenherde und Katastrophen dieser Erde zum journalistischen Phantasialand.

Grundauftrag der Öffentlich-Rechtlichen

Post vom 09.05.2011

Gut 18 Euro zahlt jeder von uns monatlich für die öffentlich-rechtlichen Programme von ARD und ZDF, inklusive den „Dritten“, 3sat, Phoenix und weiteren Spartensendern. Eine Menge Geld. Unterstützt wird das von der Politik, denn der so genannte Grundauftrag der Sender besteht darin, die Menschen vereinfacht gesagt mit wirklich Relevantem zu versorgen. Nun kann man sich ja schon seit Jahren fragen, ob es vor diesem Hintergrund richtig ist, dass die Öffentlich-Rechtlichen Formate der Privaten kopieren – meist schlechter und erfolgloser.

In jüngster Zeit häufen sich zudem wieder einmal Ereignisse, die nachdenklich machen: so stellt der Kinderkanal Kika nach mehr als zehn Jahren seine ambitionierte und aufwendige Show „Tabaluga tivi“ ein. Angeblich, um Platz zu schaffen für „innovative Unterhaltungsformate“. Der Hessische Rundfunk kürzt auf seiner Radiowelle hr4 das Regionalprogramm auf dramatische Weise. Angeblich, um es in Häppchen besser über den Tag zu verteilen. Weitere Beispiele ließen sich finden. Freie Mitarbeiter werden von den Öffentlich-Rechtlichen übrigens schon seit Jahren an einer kurzen Leine gehalten: Honorare sinken, viele Mitarbeiter sind verärgert.

Wo soll das hinführen? Erst recht, da immer mehr junge Menschen lieber privat schauen und auf öffentlich-rechtlich pfeifen? Da sollten sich die Macher doch erst recht ins Zeug legen (können). Geht das so weiter, haben Öffentlich-Rechtliche irgendwann einmal Zuspruch und damit Legitimation verloren. Deswegen müssen diese von allen Deutschen suventionierten Sender endlich wieder verstärkt auf Qualität und eigene Ideen setzen – und ihre Mitarbeiter anständig bezahlen. Trotz Kosten- und Quotendruck. Klotzen also – und nicht kleckern.

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