Sinnhaftes

…aus dem Alltag eines Medienmenschen.

Oh mein Gott, ich bin ein Medien-Nostalgiker!

Es war ein eigentlich harmloser Facebook-Post, der mich kürzlich ziemlich aus der Bahn geworfen hat. Da ging es um Downloads, und nebenbei wurde von Menschen gesprochen, die sich physische Produkte wie CDs oder DVDs noch gerne ins Regal stellen. Die Nostalgiker. Boom – das saß!

Wie bitte? Nostalgiker? Also ich stelle mir noch ausgesprochen gerne CDs oder DVDs in meine Regale und finde das weder nostalgisch, noch out, noch sonstwie uncool. Ich empfinde es sogar als ausgesprochen wichtig, seine Lieblingsstücke noch leibhaftig im Regal stehen zu haben.

Fragt doch mal so einen Digital-Yuppie, so ein Download-Opfer, so einen unphysischen Vollpfosten, was er da gerade hört auf seinem schicken mobilen Teil oder sieht an seinem Apfel-gebrandeten Laptop. Na? Und? Mehr als heiße Luft wird da mit Sicherheit nicht kommen aus seinem Anti-Nostalgiker-Mündchen. Denn er weiß es schlicht nicht. Den Hippstern von heute geht es doch überhaupt gar nicht mehr darum, sich mit dem auseinanderzusetzen, was sie da konsumieren. Inhalte? Scheißegal! Gigabyte saugen, und am besten noch illegal, da geht ihnen einer ab.

Einem Medien-Nostalgiker kann so etwas nicht passieren. Garantiert nicht. Er weiß, was er da hört, kann einordnen, was er da sieht. Ja, er ergötzt sich sogar an tollen CD-Covern und findet es klasse, mit anderen Medien-Junkies sein Wissen auszutauschen. Wer spielt noch mal in diesem Film mit, von wann ist nochmal jenes Album? Nostalgie-Cracks können es auch mit den besten Medien-Redakteuren aufnehmen – und sie wissen den Wert zu schätzen, den CDs, DVDs und Co. haben. Und dass es das nicht im unkontrollierten Datenüberfluss für wenig Geld geben kann. Genau darin liegt das Risiko des Digital-Preisens und Physischen-Totsagens: Wertschätzung und Wertgefühl gegenüber Kulturprodukten gehen verloren.

… Hm, jetzt bin ich mit Sicherheit vom Medien-Nostalgiker sogar zum Medien-Reaktionär abgestuft. Doch scheiß drauf. Ich battle immerhin alle in Grund und Boden, die sich mit mir in Sachen Musik- und Filmwissen messen möchten. Und belächle die Digital-Opfer, die sich mit ihren kleinen Abspielgerätchen brüsten und meinen, das seien ja ganz tolle Boxen, aus denen da Musik kommt …

Post vom 25.10.2012

Geposted im September 2011:

Ich bin Freiberufler. Arbeite jeden Werktag von morgens bis abends, komme insgesamt auf ein Stundenpensum, das über dem vieler Angestellter liegt – bin also Vollzeit-Freiberufler. Soweit, sogut.

Nun bringt meine Freiberuflichkeit aber mit sich, dass ich von zu Hause aus in meinem Home Office arbeite. Das hat zur Konsequenz, dass sich „zu Hause“ und „Arbeit“ im traditionellen Verständnis so mancher Mitmenschen nicht in Einklang bringen lassen. Das äußert sich in Bemerkungen, man könne doch mal dies und das zwischendurch tun oder gar in beleidigten Mienen, wenn der Herr Freiberufler unter der Woche eben nicht mal ein paar Stunden für einen Geburtstag abzweigen kann.

Kurzum: ich bin zwar Freiberufler, aber nicht frei von Beruf. Und von Berufung schon gar nicht. Und deswegen fühle ich mich geradezu berufen zu sagen, und zwar im Namen aller Freiberufler: wir arbeiten, so wie jeder Andere auch, montags bis freitags, von morgens bis abends, und manchmal auch darüber hinaus. Und wenn ihr mal wieder die ein oder andere Kleinigkeit habt, für die der Freiberufler „ja wohl mal gefälligst“ seine Zeit abzweigen kann: lasst euch einen Termin geben!

Geposted im März 2011:

Ums gleich ganz plakativ zu machen: Abstimmungsprozesse sind ein Albtraum.

Nach Interviews mit Vertretern eines Unternehmens kommt mit Sicherheit die an sich harmlose Frage: „Können wir den fertigen Text bitte zur Freigabe haben?“

Klar, können sie, zumindest die sie betreffenden Parts. Und gute Journalisten machen das auch, insbesondere Zitate sollten wegen ihrer Fehleranfälligkeit gegengelesen werden dürfen.

Allerdings sind längst nicht alle Pressestellen ausreichend professionell, manchmal ist gar keine zwischengeschaltet. Das Ergebnis: im Nachhinein werden Formulierungen geschönt, das Interview also ad absurdum geführt – und es geschieht immer häufiger.

Erst neulich war ich bei einer DVD-Firma, die dem Fass den Boden ausgeschlagen haben: bis zur Erpressung wurde dort versucht, den Gesamttext vorab einsehen zu dürfen.

Ganz klar: Unternehmen möchten gute Berichterstattung – ihr gutes Recht. Professionelle Unternehmen lassen aber auch ein Stück Authentizität zu – und halten sich an die Spielregeln. Es kann keine volle Kontrolle über einen journalistischen Text geben, so wie Journalisten zu akzeptieren haben, wenn Unternehmen nicht alle Fakten rauslassen.

Schluss also endlich mit der Kontrollitis – und der damit verbunden Skepsis und Panik vor vermeintlich schlechter Presse. Denn das ist mit Sicherheit nicht das Ziel! Unternehmen, deren Marketingabteilungen und Journalisten sollten sich endlich auf einer professionellen Augenhöhe begegnen.

Geposted im Februar 2011:

Heute hatte ich eine Frau am Telefon. Der hab ich gesagt, dass ich zu einem Thema recherchiere und ein paar Infos brauche. Kurz darauf ruft sie zurück: für wen ich noch mal arbeite? Ach, und frei würde ich das tun? Als freier Autor, als freier Mitarbeiter? Aaaach soooo, sagt sie dann. Und in diesem Aaaach soooo, schwingt mit: Daaas ist mir jetzt aber gaaar nicht recht, warum können die nicht einen Riiiichtigen auf mich loslassen? Einen Feeesten eben. Gesagt hat sie dann, man wolle sich nur rückversichern, weil man manchmal komische Anfragen bekomme und sich absichern wolle. Deswegen frage sie noch einmal. Das könne ich doch bestimmt verstehen. Nein, kann ich nicht, denn wir Freien bekommen manchmal so komische Reaktionen auf unsere Anfragen zu hören, manno – habe ich gedacht, aber nicht gesagt. Die Freiheit habe ich mir genommen.

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